Schach-Magazin
Schach Magazin
Archiv 2009 ::

Portrait


Portrait
Foto: H.Metz

Klaus Darga

…liegt doppelt so lange zurück. Schach, erzählt der ehemalige Bundestrainer, spiele er nur noch „im privaten Kreis. Ich bin nicht so unverzagt wie Wolfgang Uhlmann oder Hajo Hecht – ich halte es anders, so wie Lothar Schmid“. Mit 75 widmet sich Darga daher einer anderen Passion: Bridge. „Ich unterrichte hier an den Nachmittagen in Waldenbuch eine Gruppe, die wir aufbauten.“ Das Hobby entdeckte Darga schon zu Zeiten, als er als einer der ganz Großen der Schach-Zunft galt. „Die Pausen der großen Turniere überbrückten wir immer mit Bridge“, erinnert sich der Jubilar, der am 24. Februar 1934 in Berlin geboren wurde.

Mit acht Jahren erlernte Darga durch bloßes Zusehen bei seinem Vater das königliche Spiel. Mit 14 beschäftigte er sich erst näher damit und wurde bereits mit 17 Deutscher Jugendmeister. Zwei Jahre später teilte er in Kopenhagen mit dem Argentinier Oscar Panno den ersten Platz bei der Jugend-Weltmeisterschaft vor Boris Ivkov, Fridrik Olafsson und Bent Larsen. Daraufhin wurde das aufstrebende Talent 1954 erstmals in die deutsche Nationalmannschaft berufen und vertrat diese bis 1978 bei zehn Olympiaden! 1955, mit 21 Jahren, eroberte er erstmals den nationalen Männer-Titel in Höchst, den er 1961 in Bad Pyrmont ein zweites Mal erringen konnte. International trat Darga mit seinem zweiten Platz in Gijon 1956 hinter Larsen und seinem Turniersieg 1957 in Madrid vor Wolfgang Unzicker und Arturo Pomar in Erscheinung.



Einer der Höhepunkte war für Darga die Berufung in die Auswahl „Rest der Welt“, die 1970 in Belgrad der Sowjetunion hauchdünn mit 19,5:20,5 unterlag. Mit einer historischen Elo-Zahl von 2664 (ein zurückgerechneter Wert, weil es damals noch kein Ratingsystem gab) gehörte er zu den Top-Großmeistern. Zum Einsatz kam er nicht – das lag wohl an seiner gewohnt ruhigen, unaufdringlichen Art. „Ich hätte in der letzten Runde antreten sollen. Doch Uhlmann stand gegen Mark Taimanow mit 0,5/3 zu Buche. Deswegen wollte er nicht pausieren und sprach mit mir. Ich ließ ihn dann gewähren. Es war auch gut so, denn die letzte Partie gewann Uhlmann“, sieht sich der Westdeutsche in seiner Entscheidung für den Ostdeutschen bestätigt.



Zu Dargas Lieblingsgegnern gehörte offensichtlich Jan Hein Donner. Der wortgewaltige Niederländer schaffte in elf Partien nur sechs Remis gegen den Deutschen – und kassierte fünf herbe Niederlagen, von denen keine länger als 28 Züge dauerte! Der kürzeste Donner-Schlag stammt vom Hochofen-Turnier 1964 in Beverwijk.

Caro-Kann B 11
K. Darga – J. H. Donner
Beverwijk 1964

1. e4 c6 2. Sc3 d5 3. Sf3 Lg4 4. h3 Lxf3 5. Dxf3 Sf6 6. d3 e6 7. Ld2 Sbd7 8. g4 g6 9. 0–0–0 Lg7 10. h4 h5 11. g5 Sg4 12. Lh3 Db6 Falls nun 13. Lxg4, so 13. …Se5 14. Df4 Sxg4 15. exd5 cxd5 16. f3! Se5 (…Sf2? 17. Le3 Sxd1 18. Lxb6 Sxc3 19. bxc3 axb6 20. Db4 Txa2 21. Kd2 mit Gewinn.) 17. Le3 Dd6 18. Sb5 Db8. Nichts bringt 19. Db4?! ein, nach …Sc6 20. Da3 a6 21. Sd6+ Kd7 22. Sxf7 Tf8 23. Sh6 Txf3 24. Lb6 Df8! 25. Db3 Db4 26. Dxb4 Sxb4 27. a3 Sc6 kämpft Weiß ums Remis. 13. Tde1

Schach-Kombination

13. …Sde5 wird vom Programm Rybka bevorzugt. Das gewinnt auch Material, aber nach 14. De2 Sxf2 (14. …Dxf2 15. Lxg4 Sxg4 16. Dxf2 Sxf2 17. Thf1 Sg4 18. exd5 cxd5 19. Sxd5 0–0 20. Se3 mit Ausgleich.) 15. Le3 Sfxd3+ 16. cxd3 d4 17. Lf2 Da6 18. Lxd4 Sxd3+ 19. Dxd3! Dxd3 20. Lxg7 Tg8 21. Lf6 Dg3 22. Td1 Dxh4 steht Schwarz angesichts der eingeklemmten Türme und des Königs hoffnungslos! Eine mögliche Abwicklung ist 23. Th2 Df4+ 24. Thd2 Dc7 25. e5 a5 26. Se4 b6 27. Sd6+ Kf8 28. Sb7! b5 29. Td7 Db6 30. Le7+! Kg7 31. Lc5 Da6 32. Txf7+!! Kxf7 33. Td7+ Ke8 34. Te7+ Kf8 35. Th7+ Ke8 36. Sd6+ Kd8 37. Lxe6 Ta7 38. Lxa7, und gegen das Matt auf d7 ist nichts mehr zu erfinden. 13. …Sge5 14. Dg3 dxe4 15. Txe4 c5? Donner will dem Springer ein Rückzugsfeld verschaffen. Das verliert allerdings rasch. 15. …0–0–0 16. Sa4 Dc7 17. Lc3 Thg8 18. f4 Sg4 19. Lxg7 Txg7 20. Lxg4 hxg4 21. Dxg4 Th7 kostet einen Bauern, bietet jedoch Verteidigungschancen. 16. The1 Sc6 17. Txe6+!! Der spektakuläre Einschlag war dem Holländer entgangen. 17. …fxe6 17. …Kf8 18. T6e4, und der Springer auf d7 geht verloren, z. B. 18. …Dd8 (…Scb8?? 19. Te8 matt; 18. …Sde5 19. Lf4) 19. Dd6+ Kg8 20. Te8+ Dxe8 21. Txe8+ Txe8 22. Lxd7 Td8 23. Dc7 Kh7 24. Lxc6. 18. Txe6+ Kf7 18. …Kd8 19. Td6 19. Df4+ Kg8 20. Txg6 Dd8 21. Le6+ Das Matt nach Kh7 22. Txg7+ Kxg7 23. Df7 wollte Donner nicht mehr sehen – 1:0
 
Auszug aus
"Arik Braun beschenkt Klaus Darga als Erster – Ehemaliger Weltklasse-Großmeister und Bundestrainer feiert 75. Geburtstag"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 3/2009

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

Designelement  :: Aktuelles Designelement
  Aktuelles Heft
Aktuelles Heft
Im Heft blättern
 

Designelement  :: Jahrgangsschuber Designelement
  Jahrgangsschuber
Aktuelles Heft
Der Preis pro Stück für 12 Ausgaben – inklusive Porto und Schutz-Verpackung beträgt € 14,90
Bestellungen bitte unter
Tel.: (0421) 36 90 325