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Al Ain


Al Ain
Foto: A.Borik

Li Chao. Der junge Chinese sicherte dem arabischen Team die Goldmedaille

… fand vom 27. 12. 2008 bis zum 3. 1. 2009 die erste Auflage des asiatischen Pendants statt.

Bis auf die Mannschaftsstärke, die sich an der „olympischen Regelung“ orientiert (es nehmen Viererteams teil, beim Europacup spielen Sechsermannschaften mit), ist diese neue Veranstaltung dem Europacup nachempfunden. Zugelassen sind die Sieger der nationalen Ligen, bei einigen starken Schachländern sind weitere Vertretungen gestattet, wovon aber nicht in jedem Fall Gebrauch gemacht wurde. Und bezüglich der Spielberechtigung der Mannschaftsmitglieder besteht keine Bindung an eine Föderation, sprich, eine Klubmannschaft kann zum Teil oder gänzlich aus Ausländern bestehen.

Genau dieser Fall trifft auf die Siegermannschaft zu: Das Team Al Ain aus den gastgebenden Vereinigten Arabischen Emiraten bestand aus zwei Ukrainern (Karjakin und Efimenko), einem Georgier (Jobava), einem Armenier (Sargissian) und einem Chinesen (Li Chao). Dank der eingesetzten Petro-Dollars konnte dieses Weltklasse-Quintett (Mannschaftsniveau 2679 Elopunkte), das sich auf Englisch verständigte, für das arabische Land den Pokal holen und den Geldpreis von 20 000 US-Dollar unter sich aufteilen. Anders die ganz knapp geschlagenen Vizemeister: Der chinesische Mannschaftmeister Qi Yuan trat ausschließlich mit Spielern aus dem „Reich der Mitte“ an (Wang Hao, Zhou Jianchao, Zhou Weiqi und Wen Yang), zog das Turnier ohne einen Ersatzmann durch und konnte trotz des um 88 Elopunkte niedrigeren Mannschaftsschnitts mit Al Ain nach Mannschaftspunkten – dem ersten Wertungskriterium – gleichziehen. Als zweites Kriterium wurde die Summe der Sonneborn-Berger-Wertung herangezogen, und da lag Al Ain vorn; auch nach der Summe der Brettpunkte, dem verbreiteteren Kriterium wäre dies übrigens der Fall gewesen. Al Ain erzielte einen Zähler mehr, somit ist der Sieg verdient. Die Bronzemedaille ging an die Mannschaft Fajr Shams, unterstützt von einer Teheraner Bank, die dem Team mit den beiden führenden iranischen Spielern Ghaem Maghami und Mahjoob drei starke ausländische Profis – Kobalija (Russland), Petrosian und Pashikian (beide Armenien) – „spendierte“.

Spitzenstand

1. Al Ain (Vereinigte Arab. Em.) 12
2. Qi Yuan (China) 12
3. Fajr Shams (Iran) 11
4. Tagatay (Philippinen) 10
5. Vietnam Victory (Vietnam) 9
6. Mon-Cad (Mongolei) 9
7. Galkynsh (Turkmenistan) 9
8. Al Ain B (Vereinigte Arab. Em.) 9
9. IntChess (Singapur) 9
10. Club India (Indien)  8


Insgesamt waren 30 Teams aus 24 Ländern vor Ort, 12 fehlten. Die Teilnahme oder Nichtteilnahme war nicht unbedingt immer eine Frage der finanziellen Mittel, so war zum Beispiel ein Team aus Nepal dabei (natürlich ohne eingekaufte „Schachlegionäre“), aber keines aus dem reichen Japan, Schach spielt dort im Vergleich zu Go einfach keine Rolle.

Kommen wir zu den erfolgreichsten Protagonisten. Nicht ganz unerwartet kommen sie von den drei Medaillengewinnern. Fünf von ihnen konnten mit ihrer persönlichen Turnierleistung die magische Grenze von 2700 Elopunkten überwinden, und zwar:

Name (Land) Punkte Partien TPR*
Li Chao (Al Ain) 5 7 2797
Arman Pashikian (Farj) 6 7 2747
Baadur Jobava (Al Ain) 4 5 2742
Wesley So (Tagatay) 5,5 7 2706
Zhou Jianchao (Qi Yuan) 5,5 7 2701


(*tournament performance = persönliche Turnierleistung)

Das Engagement von Li Chao, dem ersten Ersatzspieler der chinesischen Olympia¬mannschaft, erwies sich als sehr glücklich für Al Ain. Nicht nur, dass der 19-Jährige die beste Einzelleistung des gesamten Turniers erzielte, noch wichtiger war sein „Golden Goal“ in der letzten Runde. Zu dem Zeitpunkt nämlich war der Gesamtsieg von Al Ain noch nicht sicher, bei einer Niederlage in der Schlussrunde hätte es nur Silber gegeben. Und in der letzten Runde lief es für Al Ain zunächst nicht gut; die beiden starken Ukrainer remisierten nur und Jobava geriet aus der Eröffnung in Nachteil (später verlor er auch tatsächlich), so dass sich an den Bretter 1 bis 3 eine 1:2-Niederlage abzeichnete. Aber am Brett 4 punktete Li Chao überzeugend, sicherte damit das 2:2 und in der Konsequenz den Wertungssieg im Asiencup.

Sizilianisch B 85
Li Chao (Al Ain)
Nguyen Van Huy (Vietnam Victory)
1. e4 c5 2. Sc3 e6 3. Sf3 d6 4. d4 cxd4 5. Sxd4 Sf6 6. Le2 a6 7. 0–0 Le7 8. f4 Sc6 9. Kh1 Dc7 10. a4 0–0 11. Le3 Te8 12. Lf3 Tb8 Schwarz hat sich nach dem Vorbild von Kasparow aufgebaut, der diese Stellung bei verschiedenen Turnieren und Zweikämpfen gegen die härteste Gegnerschaft (u. a. Karpow, Anand und Topalov) erprobte und dabei sieben Punkte aus 12 Partien holte. Die einzige Niederlage kassierte er (gegen Rasuwajew) als er 15 Jahre alt war. Die Eröffnungsvariante ist und bleibt gut, aber sie erfordert auch eine sehr gute Orientierung in taktischen Verwicklungen, an der es dem früheren Weltmeister beileibe nicht mangelte. Was man von dem Schwarzspieler in der vorliegenden Partie nicht unbedingt behaupten kann. 13. Dd2 Sa5

Schach-Kombination

Anand spielte gegen Kasparow in Linares 1997 an dieser Stelle 14. Df2, und nach 14. …Sc4 15. Lc1 e5 16. Sde2 exf4 17. Sxf4 Le6 18. b3 Se5 wurde aus dem im Abseits (auf a5) stehenden Springer ein gut zentralisierter Rappe. Der Partiezug 14. b3 unterbindet die Springerwanderung via c4. Der Vietnamese, der die erwähnte Partie vermutlich kannte, wollte nun via c6 nach e5 gelangen, er hatte aber nicht erkannt, dass Kasparows Idee nicht mehr umgesetzt werden kann. Er hätte sich an dem Vorbild Timmans halten sollen, der anno 1985 gegen Hübner mit 14. …b6 15. Tad1 Lb7 fortsetzte und angesichts des etwas „wackeligen“ Springers c3 ein vollwertiges Spiel erlangte. Nach 16. e5 Lxf3 17. Txf3 Sg4 18. exd6 Dxd6 19. Lg1 Dc7 20. De2 waren die Chancen verteilt, der Remisschluss dennoch verfrüht, aber das steht auf einem anderen Blatt. In der vorliegenden Partie geschah 14. …e5 15. Sde2 Sc6 Auch nach 15. …exf4 16. Sxf4 ist Schwarz weit vom Ausgleich entfernt, z. B. 16. …Le6 (Nach …Sc6 ist 17. Sfd5 für Schwarz unangenehm.) 17. Scd5! Lxd5 18. exd5, und der Springer a5 wandert weder via c4, noch über c6 irgendwohin, am ehesten zurück in den Kasten. 16. f5 Nun ist das Feld e5 unerreichbar. 16. …Sb4 17. g4

Schach-Kombination

Weiß steht besser, aber mit 17…h6! wäre noch ein hartnäckiger Widerstand möglich. Die Pointe ist, dass nach 18. h4 Sh7 19. g5 hxg5 20. hxg5 der Konter 20. …d5 spielbar ist. Denkbar wäre dann die Folge 21. Sxd5 (21. exd5? Lxf5) 21. …Sxd5 22. exd5 (22. Dxd5? Td8 23. Dc4 Dxc4 24. bxc4 Lxg5 mit Vorteil für Schwarz) 22. …Lxf5 23. Sg3 Lg6 24. Le4, mit einer für Weiß etwas besseren, aber noch lange nicht geklärten Stellung.

In der Partie geschah jedoch 17. …d5?! 18. exd5 e4? Hier war die letzte Gelegenheit für …h6, so recht gefallen will die schwarze Stellung nicht, aber die, die sich in der Partie ergibt, reizt schon gar nicht: 19. Lg2 Sxg4 20. Lf4 Ld6 21. Sxe4 Lxf4 22. Txf4 Sxc2 Auch nach …De5 23. Tg1 Sxd5 24. Txg4 Lxf5 25. Tg5 h6 26. Txf5 Dxf5 27. Sd6 sollte Weiß gewinnen. 23. d6 Db6 Wahlweise 23. …Dd8 24. Dxc2 Lxf5 25. S2g3 und Schwarz hat fast nichts für die fehlende Figur. 24. Dxc2 – 1:0
 
Auszug aus
"Europacup findet Nachahmer – Erste Auflage des asiatischen Klubpokals * Sieg für Al Ain"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 1/2009

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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