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Bundesliga


Bundesliga
Foto: O.Borik

Gernot Gauglitz. Der 46-jährige Internationale Meister hatte gegen den Weltklassemann Shirov das Remis in der Tasche

… aber es zeichnen sich die ersten halbwegs aussagekräftigen Trends ab.

Wenden wir uns zunächst dem Tabellenende zu. Da der TV Tegernsee bereits vor dem Saisonbeginn seinen Rückzug aus der ersten Liga angekündigt hat, geht es nur um drei (weitere) Abstiegsplätze, und da spricht der Tabellenstand eine klare Sprache. Dennoch können sich auch die Teams auf den Plätzen 10-13 noch lange nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen.

An der Tabellenspitze wird um die drei Qualifikationsplätze für den Europacup gekämpft (wofür es realistisch gesehen nur vier Kandidaten gibt) und natürlich um die Meisterschale. Der Titelverteidiger OSG Baden-Baden wurde – nicht überraschend, führt er das Feld doch seit der dritten Runde unangefochten an – Herbstmeister. Wie in der letzten Saison auch, weist die von der Firma Grenke Leasing AG gesponserte Truppe eine makellose Bilanz von 18:0 Mannschaftspunkten auf, jedoch diesmal eine noch bessere Brettpunktebilanz (54,5 gegenüber 51,0). Und das, obwohl die Superstars nur wenig zum Einsatz kamen: Carlsen spielte nur zwei Partien, Weltmeister Anand gar noch keine einzige. Das kann sich die Ooser Schachgesellschaft leisten, weil die Ersatzbank so stark wie noch nie besetzt ist. Dort stehen auch vier Spieler mit deutschen Pässen bereit (Arkadi Naiditsch, Rustem Dautov, Philipp Schlosser und Fabian Döttling), die bis jetzt 27 Partien bestritten und mit 19 Siegen bei sieben Unentschieden und einer einzigen Niederlage enorm gut punkteten. Mal siegen sie routiniert im positionellen Stil, manchmal aber auch nach einem Drama, in dem auch der nominell Unterlegene seine Chancen hatte (aber oft nicht nutzte), wie die ersten beiden Partien dieser kleinen Auslese belegen.

Grünfeldindisch D 94
F. Döttling (OSG Baden-Baden)
P. Salzmann (USV Dresden)
1. d4 d5 2. Sf3 Sf6 3. c4 c6 4. e3 g6 5. Sc3 Lg7 6. Le2 0–0 7. 0–0 Lg4 8. h3 Lxf3 9. Lxf3 dxc4 10. De2 Sbd7 11. Dxc4 e5 12. Td1 exd4 13. exd4 Sb6 14. Db3 Dd7 15. a4 Die von Schwarz gewählte Eröffnungsvariante überlässt dem Weißen ein aktives, bequemes Spiel. Es kann sein, dass der Dresdner Spieler der Partie Nowak-Jasnikowski (Zielena Gora 1982) folgte, in der Schwarz nach 15. Lg5 Sfd5 16. Se4 f5 17. Sc5 Df7 standhielt. In der Bundesligapartie spielte Döttling stärker 15. …Sbd5 Hier ist 15. …Sfd5 weniger gut wegen 16. a5 Sxc3 17. bxc3 Sd5 18. Tb1 b5 (18. …b6? 19. c4 mit Bauerngewinn auf b6.) 19. Lxd5 wieder mit Bauerngewinn, diesmal auf b5. 16. a5 h6 17. Ld2 b5 Gegen Sa4-c5 gerichtet. 18. Tac1 Tac8 19. Sxd5 Sxd5

Schach-Kombination

20. Lg4! Ein feiner positioneller Zug. Weiß investiert zwei Tempi, um im schwarzen Lager ein Einbruchsfeld (e6) zu schaffen. 20. …f5 21. Lf3 Es droht Txc6, gefolgt von dem vernichtenden Einschlag Lxd5. 21. …Kh7 22. Lxd5 Dxd5?! Jetzt wird die weiße Idee mühelos verwirklicht. Zäher ist …cxd5 23. Tc5 Txc5 24. dxc5. Weiß steht zweifellos besser, sein Bc5 ist stärker als der Bd5, dennoch war diese Variante aus der Sicht von Schwarz das kleinere Übel. 23. Dxd5 cxd5 24. Lb4 Txc1 Auch nach 24. …Tfe8 25. Txc8 Txc8 26. Lc5 a6 27. Te1 (droht Te6) …Tc6 28. Te7 Kg8 29. Td7 gewinnt Weiß einen Bauern. 25. Txc1 Tf7 26. Lc5 a6 27. Te1 Es droht Te6 nebst Txa6. Immer wieder entscheidet der Einbruch via e6, eben dem Feld, das durch 20. Lg4! geschwächt wurde. Die vorliegende Partie muss zwar nicht unbedingt in ein Buch über die Bundesliga aufgenommen werden, aber sie liefert ein prima Beispiel zum Thema „Wie schafft man eine Schwäche im gegnerischen Lager?“. 27. …Tf6 28. Te5 g5 29. Txd5 Kg6 30. Kf1 Te6 31. Td7 Die Aufgabe kam nicht zu früh. Gegen Ta7 nebst d5 ist kein Kraut gewachsen. 1:0



„Einige Sorgen hatte ich … bei den Partien von Alexei Shirov gegen Gernot Gauglitz und von Arkadij Naiditsch gegen Sebastian Eichner, wobei beide ihre Gegner schließlich überwinden konnten“, bekannte GM Fabian Döttling auf der OSG-Vereinsseite. Bei Naiditschs Partie waren die Sorgen sehr berechtigt, wie wir soeben gesehen haben, und bei Shirovs Partie lief auch nicht alles nach Plan. Dort hätte Gernot Gauglitz, in den später 80r Jahren einer der besten Schachspieler der DDR, dem Weltklassemann immerhin ein Remis abknöpfen können.

Grünfeldindisch D 90
A. Shirov (OSG Baden-Baden)
G. Gauglitz (USV Dresden)
1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 d5 4. cxd5 Sxd5 5. Ld2 Lg7 6. e4 Sxc3 7. Lxc3 c5 8. d5 Lxc3+ 9. bxc3 0–0 10. Sf3 Lg4 11. h3 Lxf3 12. Dxf3 e5 13. dxe6 fxe6 14. Dg3 Sc6 15. Td1 De7 16. Lb5 Tad8 Ein normaler Zug wäre nun die Rochade gewesen. Shirov aber ist ein extrem phantasievoller Spieler und wartet oft mit originellen Ideen auf, meist sehr guten. Die in dieser Partie gehört nicht dazu. 17. Lxc6?! Txd1+ 18. Kxd1 bxc6 19. Ke2 Db7 20. Td1 Da6+ 21. Dd3 Dxa2+ 22. Td2 Db3 23. c4

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Shirov merkt, dass etwas schiefgelaufen ist, und hat schon den Fuß auf der Bremse. Gauglitz hätte nun die Damen abtauschen 23. …Dxd3+ 24. Txd3 und seinem großen Gegner ein Remis abknöpfen können. Die anschaulichste der mehreren möglichen Remisvarianten lautet 24. …Ta8 25. Td6 a5 26. Kd3 (Nicht 26. Txc6? a4 27. Tb6 a3 28. Tb1 a2 29. Ta1 Kg7 –+) 26. …Ta6 27. Txe6 Kf7 28. Te5 a4 29. Kc2 a3 30. Kb1 Tb6+ 31. Ka1 Tb2 32. Txc5 Txf2 33. Txc6 Txg2 34. Tc7+ Kf6 35. Txh7 Tc2 36. Tc7 Ke5 remis.

In der Partie geschah jedoch 23. …Db4? Donnerwetter, ein Remis gegen einen Weltklassemann ist nicht genug? 24. h4 Kh8 25. f3 a5 26. Dd6! Dxc4+ 27. Kf2 Kg8 28. h5 Der schwarze König steht unsicher. Weiß verfügt stets über Drohungen wie De5 nebst h6 oder Td7. 28. …Dc3 28. …gxh5? verliert wegen 29. Dg3+ Kf7 30. Dg5 mit entscheidendem Einsatz des Turms. 29. Dxe6+ Kh8 30. Dd6 Dg7 31. hxg6 Tg8 32. Dxc5 Dxg6 33. g4 Df6 34. Td6 Db2+ 35. Kg3 a4 36. Txc6 a3 37. Ta6 a2 38. Da5 Db8+ 39. Kh3 Tc8 40. Dxa2 Df4 41. Db2+ 1:0
 
Auszug aus
"Fertig machen für den Endspurt – Fast zwei Drittel der Runden sind absolviert * OSG Baden-Baden ist Herbstmeister"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 1/2009

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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