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Bad Zwischenahn


Bad Zwischenahn
Foto: O.Borik

Seniorenweltmesiter 2008: Larry Kaufman (USA)

… nahm der Herrenwettbewerb mit 301 Schachfreunden entsprechenden Alters (über 60) die Dimension eines großen Opens an.

[…]

Wie erwähnt, konnte in diesem Fotofinish erst nach der Auswertung des dritten Kriteriums der Sieger ermittelt werden. Lawrence (allseits nur „Larry“ genannt) Charles Kaufman (USA) heißt der neue Weltmeister, und das ist auch gut so. Denn während Suba mehrmals „wackelte“ (aber nicht fiel), marschierte der Amerikaner einfach durch, stand nie schlecht und überzeugte wiederholt. Im Gegensatz zu Suba, der in der Setzliste den ersten Rang einnahm, wurde Kaufman, nominell nur die Nummer 9, nicht unbedingt als ernsthafter Titelanwärter angesehen. Doch manchmal läuft es halt und Kaufman genügte sogar ein Remis in der Schlussrunde zum Titelgewinn.

Kaufman hat sich nicht nur für das klassische Schachspiel interessiert, sondern auch für dessen japanische Variante Shogi, wo er zu den besten Spielern außerhalb Japans zählt. Im internationalen Schach brachte er es immerhin zu einem Internationalen Meister mit Elo 2424. Gemäß den FIDE-Statuten wird er nach dem Titelgewinn bei der Senioren-WM zum Großmeister ernannt.

Diesen Titel trägt Mihai Suba seit genau 30 Jahren. In den frühen 80er Jahren gehörte der Rumäne zu den etwa 40-50 führenden Spielen der Welt, den Einzug in die Kandidatenkämpfe verpasste er nur um ein Haar, und er gewann etliche starke internationale Turniere, u. a, die Dortmunder Schachtage 1983. In den späten 80er Jahren, zum Ende der unrühmlichen Ära des rumänischen Diktators Ceauçescu, emigrierte Suba zusammen mit seinem Sohn nach England, für das er bei der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft 1989 antrat. Derzeit lebt er nun in Spanien, spielt aber wieder für sein Heimatland, das ihn zu seinem 60. Geburtstag am 1. Juni 2008 mit einem Turnier ehrte.

Die am meisten beachtete Partie des Turniers dürfte das Duell von Larry Kaufman gegen den früheren Seniorenweltmeister Janis Klovans gewesen sein.

Französisch C 13 J. Klovans (Lettland) L. Kaufman (USA)

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 dxe4 5. Sxe4 Le7 6. Lxf6 gxf6 7. Sf3 f5 8. Sc3 a6

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In dieser Variante nimmt Schwarz die geringe Verschlechterung seiner Bauernstruktur in Kauf und will seine Läufer sehr aktiv aufstellen, den einen auf b7, den anderen auf f6. Ein recht chancenreicher Plan für Weiß ist 9. De2 b5 10. 0–0–0, wonach 10. …Lb7? wegen 11. d5! nicht gut geht. In einigen Partien geschah 10. …b4 11. Sa4 Dd5 12. Dc4, und nun ist der Damenabtausch auf c4 Pflicht. Sehenswert war die Partie Efimenko-Berczes aus dem diesjährigen Gibraltar-Open: 12. …Lb7 13. Dxc7 Ld6 14. Dc4 Da5 15. d5!! Lxd5 (15. …Dxa4? 16. dxe6 Le7 17. exf7+ Kf8 18. Dd4 und Gewinn) 16. Dc8+ Ke7 17. Dxh8 Sd7 18. Txd5! Dxd5 19. Dd4 Dxa2 20. b3 mit klarem Vorteil für Weiß nach dem folgenden Damenabtausch, eingeleitet mit Db2. In der Partie geschah 20. …Lf4+ 21. Dxf4 Da1+ 22. Kd2 Td8 23. Dxb4+ Ke8 24. Dd4 – 1:0, denn der „Damengewinn“ 24…Sf6 ist keiner: 25. Lb5+ axb5 26. Dxd8+ Kxd8 27. Txa1 usw.

9. g3 b5 10. Lg2 Lb7 11. 0–0 0–0 12. Se5 Lxg2 13. Kxg2 b4 Alles schon da gewesen, wobei 14. Se2 Dd5 zu einer Stellung mit verteilten Chancen führt. Weiß spielte jedoch 14. Df3?! Der frühere UdSSR-Landesmeister Vitali Zeschkowski spielte so anno 1995 gegen B. Kovacevic. Dieser sah die beste Entgegnung nicht, schützte den Damenturm mit 14…c6 und stand nach 15. Se2 Dd5 16. Tfd1 etwas schlechter. Kaufman hatte sich auf diese Partie offenbar sehr sorgfältig vorbereitete und hatte in der weltweiten Datenflut wohl auch die Partie Scherebuch-Drosdowski entdeckt, gespielt am 11. September dieses Jahres in Odessa. Dort – wie auch bei der Senioren-WM – geschah zuerst 14. …bxc3! 15. Dxa8 Dxd4

Schach-Kombination

Absolut notwendig war nun 16. Sd3, damit die weiße Dame nach f3 zurückkehren kann. So geschehen auch bei der besagten Premiere in Odessa. Nach den weiteren Zügen …Db6 17. Df3 cxb2 18. Tab1 Lf6 stand Schwarz gut, aber mit 19. Sxb2 Lxb2 20. c3 Sd7 21. Tfe1 Sc5 22. De3 konnte Weiß das Stellungsgleichgewicht halten. In Odessa wurde nun etwas verfrüht der Punkt geteilt, vermutlich wegen 22…Dc6+ 23. f3 f4 (23. …La3 24. Dg5+ mit Dauerschach) 24. Dxf4 Lxc3 25. Thc1 Sd3 26. Dg5+ Kh8 27. Tb3 Sxc1 28. Dxc1 nebst Txc3. So gesehen, war das Remis nicht ganz unberechtigt, diese Stellung ist tatsächlich ausgeglichen, aber einen großen Kampfgeist kann man den Protagonisten nicht bescheinigen.

In Bad Zwischenahn sah Weiß die oben skizzierte Gratwanderung nicht und verlor: 16. Sf3? Db6 Es droht der Damenfang …Sc6. Die weiße Dame hat kein freies Feld. Es folgte noch 17. Se5 f6 18. Sc4 Db5 19. Df3 Dxc4 20. bxc3 Sc6 21. Tfe1 Se5 22. De2 Dc6+ 23. Kh3 Sf3 24. Ted1 Sg5+ 25. Kh4 Dg2 nebst Mattsetzung 0:1

 
Auszug aus
"Fotofinish bei der Seniorenweltmeisterschaft – Hauchdünner Wertungsunterschied entscheidet über Gold und Silber"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 12/2008

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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