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Archiv 2008 ::

Sotschi


Sotschi
Foto: O.Borik

Turniersieger Levon Aronian

… (mit dem Schachfestival in Biel und der Chess Classic Mainz) – keine einzige Absage.

Während des Turniers kam es zu den militärischen Auseinandersetzungen um Südossetien. Natürlich war diese Krise ein Gesprächsthema unter den Teilnehmern, die sich jedoch gegenüber den Medien dazu höchst zurückhaltend bzw. gar nicht äußerten, dem ungeschriebenen Gesetz folgend, dass politische Themen in den reichlich vorhandenen und dafür bestimmten politischen Diskussionsplattformen diskutiert werden sollen und nicht in Bulletins von Schachturnieren oder auf den Seiten der Schachpresse. Nur zwei in Sotschi anwesende Großmeister hielten sich nicht daran, die beide keine Turnierteilnehmer, sondern in anderen Funktionen vor Ort waren, als Sekundant (der Russe Jewgeni Barejew) bzw. FIDE-Vertreter (der Georgier Zurab Azmaiparashvili), die wie der Journalist Pavel Matocha in „Sachovy tydennik“ berichtet, vehement den Standpunkt ihrer jeweiligen Länder vertraten.

Die Spieler konzentrierten sich auf das Turnier, bei dem es gleich mehrere aussichtsreiche Kandidaten auf den ersten Platz gab, erst ein mächtiges Finish des Armeniers Levon Aronian brachte ihm den alleinigen Sieg. Sein „Goldenes Tor“ in der letzten Runde war zugleich eine lehrbuchreife Partie, eine meisterliche Umsetzung eines Standardmotivs. Alles dreht sich um das Schlüsselfeld c6.



Sizilianisch B 46
T. Radjabov – D. Navara
2. Grand Prix (10), Sotschi 2008

1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sc6 5. Sc3 a6 6. Le3 Sf6 7. f4 Lb4 8. Ld3 d6 9. Sxc6 bxc6 10. 0–0 Weiß hat sich in Windeseile entwickelt und droht bereits e4-e5. Die schwarze Reaktion ist fast schon erzwungen, auf jeden Fall in Ordnung. 10. …e5 Das Motiv ist bekannt. Auf 11. fxe5 folgt …Sg4! 12. Df3 0–0 13. exd6 Lxd6 14. g3 Sxe3 15. Dxe3 Le5 mit guter Kompensation für den Bauern (…Lh3, …Tb8). Nein, den Bauern e5 darf man nicht anfassen, man muss …Sg4 verhindern: 11. h3 Alles schon da gewesen, u. a. in der Partie Radjabov-Swidler, gespielt beim Europacup 2006 in Fügen. Der erfahrene russische Topgroßmeister glich mit den genauen Zügen 11…0–0 12. Df3 exf4 13. Lxf4 Sd7 14. Lc4 De7 15. Dg3 Kh8 16. Lb3 Se5 17. Tad1 f6 das Spiel aus. Navara spielte erheblich riskanter: 11. …exf4?! 12. Lxf4 0–0 13. e5 Lxc3?! So richtig gefällt die schwarze Stellung auch nach 13. …Sd5 14. Sxd5 cxd5 15. Df3 nicht, aber das wäre vielleicht doch das kleinere Übel gewesen. Der schwarzfeldrige Läufer wird dem Nachziehenden fehlen. 14. bxc3 dxe5 15. Lxe5 Sd5 16. Dh5

Schach-Kombination

Wie deckt man das Matt auf h7?

16. …h6 verliert nach 17. Tf3! (droht Tg3) 17. …f6 18. Dg6 Tf7 19. Dh7+ Kf8 20. Te1 Le6 (20. …fxe5? verliert nach 21. Dh8+ Ke7 22. Txf7+ die Dame.) 21. Ld4. Es droht sowohl Txe6, als auch Lc5+, und falls 21. …Dd6, so 22. Dh8+ Ke7 23. Dxa8.

Auch nach 16. …g6 setzt sich der weiße Angriffstrupp schnell durch: 17. Dh6 f6 18. Lxg6! hxg6 (18. …Ta7 19. Ld4 Tg7 20. Le4 mit einem Mehrbauern bei anhaltendem Angriff) 19. Dxg6+ Kh8 20. Txf6! Sxf6 21. Tf1, und Weiß siegt.

Navara entschied sich für die dritte Möglichkeit. 16. …f5 17. Tae1 De8 18. Dh4 Dd8 19. Dd4 Dd7 20. c4 Sf6 21. Ld6 Falls nun 21. …Td8 (21. …Te8 22. Lxf5!), so 22. c5 mit klarem Vorteil für Weiß. 21. …Se8 22. c5 Sxd6 23. cxd6 Da7 In diesen Damenabtausch setzte Schwarz seine Hoffnungen, aber auch diese Entlastung reicht nicht aus. 24. Dxa7 Txa7

Schach-Kombination

25. Te7! 1:0 Die Aufgabe kam nicht zu früh. Was soll Schwarz spielen?
  • Nach dem Turmabtausch 25. …Txe7 26. dxe7 Te8 entscheidet 27. Lc4+ Kh8 28. Te1 nebst Lf7.
  • 25…Ta8 verliert wiederum eine Figur: 26. Lc4+ Kh8 27. d7, und Schwarz muss schon mit …Lxd7 den Läufer hergeben, da auf 27. …Lb7 28. Tb1 folgt.
David Navara, der Unglücksrabe in dieser Partie und überhaupt mit dem Abschneiden kaum zufrieden, konnte sich immerhin mit einer sehenswerten Endspielleistung trösten. Auszug aus "Zweiter Grand Prix beendet – Levon Aronian alleiniger Sieger", erschienen in SCHACH MAGAZIN 64, 9/2008
 
Auszug aus
"Zweiter Grand Prix beendet – Levon Aronian alleiniger Sieger"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 9/2008

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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