<00i> Schach-Magazin
Schach Magazin
Archiv 2008 ::

Pardubice


Pardubice
Foto: R. Pribylova

Eldar Gasanov (rechts) in seiner Letztrundenpartie gegen den Spanier Manuel Llaneza. Gasanov gewann und wurde ungeteilter Sieger.

… brach den eigenen Weltrekord, sonnte sich im Beifall, nahm oft auch eine schöne Prämie mit und stellte einige Wochen später einen neuen Weltrekord auf, und einen weiteren und weiteren – 35 Mal in Folge!

Ähnlich verfahren die Ausrichter des Czech Open in der osttschechischen Stadt Pardubice, nur sind ihre „Salamischeibchen“ ganz schön dick. Jedes Jahr wird die Vorjahresbeteiligung um eine stattliche Teilnehmerzahl übertroffen. Bei der diesjährige Auflage, die vom 10. bis zum 27. Juli ausgetragen wurde, waren allein in den fünf Wettbewerben mit Turnierbedenkzeit – es gab noch ein Dutzend Nebenveranstaltungen – sage und schreibe 1535 Spieler (davon 1018 mit einer internationalen Elozahl) am Start. Und sie kamen aus aller Herren Länder (47 Nationen waren vertreten) und aus allen Altersschichten: der älteste Teilnehmer, Lothar Wagner aus Deutschland, konnte bereits 78 Geburtstage feiern, während der Dreikäsehoch Mohamed Badoor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gerade einmal fünf Lenze zählte.
[…]
Rang 22 der Setzliste nahm ein junger Mann ein, den wohl im Vorfeld niemand zum Favoritenkreis gezählt hat, der 26-jährige Ukrainer Eldar Gasanov, doch am Ende stand der Diplompsychologe, der jetzt an seiner Dissertation arbeitet, nur wenige Turniere spielen kann und sich deshalb als Amateur bezeichnet, allein auf dem Siegertreppchen. Das ist ungewöhnlich, denn bei großen Open gibt es in der Regel ein totes Rennen der Punktgleichen, aber hier war es anders. Von den teilnehmenden deutschen Großmeistern konnte sich GM Henrik Teske (TV Tegernsee) mit seinen 7 Punkten und dem 10. Platz am besten in Szene setzen; GM Philip Schlosser (OSG Baden-Baden) erzielte 6,5 Punkte und belegte den 18.Platz. Nah an einer Sensation war der 17-jährige Sebastian Bogner, Mitglied der deutschen Jugendolympiamannschaft, der eine Runde vor Schluss auf Großmeisternorm-Kurs lag und bei einem Remis in der Schlussrunde die besagte Norm auch erfüllt hätte. Aber Bogner unterlag dem tschechischen Astronomen und Großmeister Jiri Stocek, der sich damit auf Platz 2 der Tabelle hieven konnte.

Spitzenstand:

1. E. Gasanov (Ukraine, Elo 2523) 7,5
2. J. Stocek (Tschechien, 2559) 7,0
3. D. Tschuprow (Russland, 2577) 7,0
4. A. Korobow (Ukraine, 2590) 7,0
5. J. Worobjow (Russland, 2550) 7,0
6. K. Tschernyschow (Russland, 2565) 7,0
7. G. Gajewski (Polen, 2575) 7,0
8. P. Dobrowolski (Polen, 2426) 7,0
9. A. Brkic (Kroatien, 2530) 7,0
10. H. Teske (Deutschland, 2504) 7,0
11. D. Kononenko (Ukraine, 2502) 6,5
12. J. Geller (Russland, 2510) 6,5
13. V. Babula (Tschechien, 2597) 6,5
14. S. Wokarew (Russland, 2517) 6,5
15. G. Gutman (Ukraine, 2497) 6,5
16. M. Llaneza (Spanien, 2468) 6,5
17. A. Wirig (Frankreich, 2456) 6,5
18. P. Schlosser (Deutschland, 2567) 6,5
19. L. Javakhishwili (Georgien, 2461) 6,5

vor weiteren 320 Teilnehmern mit 6 oder weniger Punkten.

Nach der wichtigsten Partie des Turniers aus seiner Sicht befragt, gab der Turniersieger die folgende an:

Damengambit D 30
W. Jepischin (Russland)
E. Gasanov (Ukraine)

1. d4 Sf6 2. Sf3 e6 3. c4 d5 4. Lg5 h6 5. Lxf6 Dxf6 6. Sbd2 Sd7 7. g3 g5 8. cxd5 exd5 9. e3 Lg7 10. Dc2 c6 11. Ld3 a5 12. 0–0 0–0 13. h4 g4 14. Sh2 h5 15. f3 Dd6 Nahe liegend war nun die Überdeckung des Bauern g3 mit Kg2, aber Jepischin will nicht decken, sondern die Linien öffnen. 16. fxg4!? Dxg3+ 17. Kh1

Schach-Kombination

Weiß setzt alles auf eine Karte, die offene g-Linie und Attacke. Weitere Raubzüge der schwarzen Dame kämen ihm gelegen, z. B. 17…Dxh4 18. Sdf3 De7 19. gxh5 Sf6 20. Se5 Le6 21. Tg1 Kh8 22. h6 Lxh6 23. Shf3, und nach dem kommenden Dh2 wird die Partie bald enden.

Die Devise des Verteidigers in dieser und analogen Stellungen ist einfach: eine offene Linie kann man zwar nicht verhindern (und die kann man eventuell auch verteidigen), aber um Gottes Willen nicht noch die benachbarte Linie öffnen, das ist so leichtsinnig, als ginge man auf der Autobahn spazieren. In diesem Sinne verteidigte sich der spätere Turniersieger hartnäckig und erfolgreich.

17. …Sf6! 18. Tg1 Dxe3 19. Tae1 Dxd4 Außer auf der h-Linie darf Schwarz überall zugreifen. 20. gxh5 Sonst wird die g-Linie auch noch geschlossen bleiben. Jetzt stehen sogar zwei weiße Bauern auf der h-Linie, was einerseits dem Nachziehenden recht ist (keine offene Linie bedeutet, von den gegnerischen Schwerfiguren geht keine Gefahr aus), andererseits muss Schwarz das mögliche h5-h6 beachten. 20. …Kh8 21. Sdf3 Df4! 22. Dg2 Dh6 23. Sg5 Le6 24. Sxe6 fxe6 25. Lg6! Verhindert …Tae8. 25. …e5!

Schach-Kombination

Das ist die Schlüsselstellung dieser wilden Partie. Jepischin sah möglicherweise die folgende Variante, die zum Remis führt, wollte keine Punktteilung, wich ab und verlor. Auch auf diese Weise werden Turniere entschieden. Der besagte Remisweg ist leicht zu entdecken: 26. Txe5 Se4 27. Sg4 Lxe5 28. Sxh6 Sf2+ 29. Dxf2 Txf2 30. Sg4 Ld4 31. Sxf2 Lxf2 32. Tf1 Tf8 33. Kg2 Lc5 34. Txf8+ Lxf8, und die ungleichfarbigen Läufer sorgen für einen friedlichen Ausgang. 26. Dg5? So nicht, nun wird aus dem verschmähten Opfer ein Rammbock. 26. …e4! 27. Te2 Dxg5 28. hxg5 Sd7 29. h6 Ld4! 30. Tg3 Se5 31. Lh5 Tf5! Verhindert die einzige Chance des Anziehenden, den Vormarsch g6-g7. 32. Teg2 Tg8 33. Le2 Lf2! 34. Tb3 Tfxg5 35. Sg4 Laut Bulletin geschah nun 35. …Th5+ Warum Schwarz nicht den Springer schlug, können wir nicht erklären. Es sprach nichts dagegen. Zeitnot oder ein Schreibfehler? 36. Sh2 Thg5 37. Txg5 Txg5 38. Sf1 b5 39. Th3 d4 40. Th5 d3! und nach überstandener Zeitkontrolle gab es für Weiß keinen Grund, die Partie fortzusetzen. 0:1
 
Auszug aus
"Weltgrößtes Schachfestival mit neuen Rekorden – „Czech Open“ in Pardubice vergrößert den Abstand zu anderen Sommerturnieren * Ukrainischer Psychologe überflügelte Dutzende von Schachprofis"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 8/2008

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

Designelement  :: Aktuelles Designelement
  Aktuelles Heft
Aktuelles Heft
Im Heft blättern
 

Designelement  :: Jahrgangsschuber Designelement
  Jahrgangsschuber
Aktuelles Heft
Der Preis pro Stück für 12 Ausgaben – inklusive Porto und Schutz-Verpackung beträgt € 14,90
Bestellungen bitte unter
Tel.: (0421) 36 90 325