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Bundesliga


Bundesliga
Foto: Hartmut Metz

Baden-Badens Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner (von rechts) gratuliert dem erneut erfolgreichen OSC Baden-Baden mit Sponsor Wolfgang Grenke, dem Vereinsvorsitzenden Helmut Zanner, Peter Heine Nielsen, Sergej Movsesjan, Raoul Strohhäker, Philipp Schlosser, Fabian Döttling, Rustem Dautov, Pentala Harikrishna, Liviu-Dieter Nisipeanu, Arkadij Naiditsch und Kapitän Sven Noppes.

… aber bei den Heimspielen der letzten Doppelrunde wollte sich die Startruppe aus der Kurstadt auch keine Blöße geben. Deshalb genehmigten sich die Kurstädter erst beim abendlichen Spargelessen mit den ebenfalls in der Bundesliga erfolgreichen OSC-Damen ein alkoholisches Schlückchen. Klaus Mühlnikel, Abteilungsleiter von Bindlach-Aktionär, hätte es indes lieber gesehen, wenn die gegnerische Großmeister-Riege „schon während der Partie“ das Geschenk zum Titelgewinn entkorkt hätte. Doch das Oktett hielt sich an die Begrüßungsworte von Wolfgang Gerstner. Der Baden-Badener Oberbürgermeister hatte ebenso wie Mühlnikel die vier Teams – gleichzeitig trafen Trier und Erfurt im Kellerduell aufeinander – mit einem Augenzwinkern begrüßt: „Hier sind Gäste immer herzlich willkommen. Wir gönnen Ihnen auch alles – aber wir verschenken in Baden-Baden nichts!“, scherzte Gerstner mit Blick auf das Image der als teures Pflaster geltenden mondänen Kurstadt. Entsprechend konzentriert agierte der Bundesliga-Spitzenreiter und baute mit einem glanzvollen 6:2 über den Tabellenvierten Bindlach und einem Sieg in derselben Höhe über Absteiger Erfurter SK das Endergebnis auf stolze 29:1 Punkte aus. Lediglich der Tabellendritte Mülheim-Nord hatte den Titelverteidiger am Rande einer Niederlage und ertrotzte das einzige Unentschieden in der ansonsten makellosen Saisonbilanz.
[…]
Außer dem „Bindlacher Bärensekt“, der unentkorkt blieb, verfehlte auch David Navara seine Wirkung. Mit dem Tschechen hatten die Gastgeber nicht gerechnet, weil er ebenso wie das OSC-Trio beim FIDE-Grand-Prix gemeldet war. Unter den Baden-Badenern löste der Joker ungläubiges Staunen aus. Im Gegensatz zu Carlsen, Swidler und Bacrot scheute der Student jedoch keine Strapaze, um seinem Verein zu helfen. Am nächsten Morgen entschwand Navara mit dem Zug gen Flughafen, wo es weiterging nach Aserbaidschan. Zuvor quälte der Aktionär-Spitzenspieler Liviu-Dieter Nisipeanu 59 Züge lang, ehe er sich ebenso wie sein Landsmann Viktor Laznicka mit Sergej Movsesjan und Roman Slobodjan gegen Peter Heine Nielsen friedlich trennte. Den Baden-Badener Erfolg garantierten drei Schwarz-Siege durch den Inder Pentala Harikrishna, Rustem Dautov über Dimitri Bunzmann und Philipp Schlosser, der Igor Stohl bezwang. „Das war strategisch ganz schwach. Ich rechnete kaum“, ordnete David Baramidze selbstkritisch seine Endspiel-Niederlage gegen Harikrishna ein.

Den vierten Sieg für den OSC fuhr Arkadij Naiditsch ein:

Spanisch C 68
A. Naiditsch (OSC Baden-Baden)
F. Bindrich (Bindlach-Aktionär)
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. Lxc6 dxc6 5. 0–0 Ld6 6. Sa3 b5 7. d4 Der erste Zug außerhalb der Theoriepfade. 7. …f6?! Laut Naiditsch ist 7. …exd4 besser, z. B. 8. Dxd4 f6. 8. dxe5 fxe5 8. …Lxe5 9. Dxd8+ Kxd8 10. Sxe5 fxe5 11. f4 sieht sehr gut aus für Weiß. 9. Sxe5 Df6 9. …Lxe5? 10. Dh5+ +–. 10. f4 Weiß hätte sehr wohl 10. Sd3 spielen können, denn 10. …Lxa3 wird stark mit 11. bxa3! beantwortet: 11. …Dxa1 12. Dh5+ g6 13. Dc5 Df6 (13. …Se7 deckt ebenfalls c6, verliert aber nach 14. Lb2 Dxa2 15. Lxh8.) 14. Lb2 Dd6 15. Lxh8, und Weiß behält einen Mehrbauern, im Gegensatz zu der Partie hat er aber eine 4:2-Bauernmehrheit. 10. …Se7 11. Le3 Lxe5 12. Dh5+ Sg6 13. fxe5 Dxe5 14. Dxe5+ Sxe5 15. Ld4 Sf7 16. Lxg7 Tg8 17. Lf6 Der weiße Vorteil ist hier etwas kleiner als in der zuvor erwähnten Variante, es reichte aber auch so zum Gewinn: 17. …Le6 18. Sb1 Kd7 19. Sd2 Tae8 20. b3 Tg6 21. Tf4 Teg8 22. g3 c5 23. Sf3 a5 24. Lb2 Kc8 25. Tf1 Sg5 26. Sxg5 Txg5 27. Th4 Tg4 28. Txh7 Txe4 29. Lc1 Td8 30. Lf4 Td7 31. Th8+ Kb7 32. Te8 b4 33. Kf2 Lf5 34. Txe4 Lxe4 35. Te1 Lh7 36. h4 Kc6 37. Tc1 a4 38. bxa4 c4 39. g4 c3 40. h5 Td4 41. Kg3 Kd5 42. g5 Le4 43. a5 Kc4 44. a6 c5 45. a7 Td7 46. Lb8 Tf7 47. g6 Tf3+ 48. Kh4 – 1:0

An den Brettern daneben verdammte der eine scheinbar sichere Absteiger den anderen zum Gang in die zweite Liga. „Vor der Saison hatten beim Bundesliga-Tippspiel 85 Prozent der Teilnehmer Turm Trier als Absteiger erwartet – ich taxierte unsere Wahrscheinlichkeit mit 75 Prozent signifikant niedriger – und mitten in der Saison gab ich uns gar eine 50:50-Chance“, rechnete Mathematiker Dietmar Kolbus vor. Am Samstag war dann alles klar: In Bestbesetzung schlug der Aufsteiger aus Deutschlands ältester Stadt den Erfurter SK mit 5:3. Miklos Galyas und Andrei Nestor Cioara garantierten bei sechs Remis den Sieg und steuerten Trier mit zwölf Pluspunkten in den rettenden Hafen. „Das war’s“, konstatierte der Erfurter Großmeister Peter Enders, nachdem er vom 4:4 der Re-magener gegen Tegernsee gehört hatte. Dass die Fahrstuhlmannschaft ausgerechnet gegen den Meister das Ruder herumreißt und die Zähler neun und zehn holt, glaubte keiner der Thüringer. Der wackere Ost-Aufsteiger wehrte sich aber einmal mehr nach Leibeskräften und hätte zumindest ein 3:5 schaffen können. Dass es doch ein 2:6 wurde, lag an Nielsen, der Matthias Müller noch niederrang, und an Strohhäker. Dank mehrerer einziger Züge konterte der Baden-Badener Youngster die gelungene Kombination von Joachim Brüggemann mit einem Dauerschach. Jan Votava hielt gegen Movsesjan die Waage, gleiches gelang Petr Haba mit Schwarz gegen Harikrishna. Dem Inder reichte ein Mehrbauer im Turmendspiel nicht. Nachdem er ein Turmopfer des Tschechen wegen eines Patts ablehnte (der ästhetisch veranlagte Nisipeanu dazu: „Ich hätte den Turm genommen“), ging es noch ins Bauernendspiel, in dem Harikrishna dann mit einem anderen Patt die Saison für Baden-Baden beendete.
 
Auszug aus
"Selbst „Bindlacher Bärensekt“ verfehlt Wirkung – Abschluss der Bundesliga: Imageträger OSC Baden-Baden kaum zu schlagen, Tabellenvierter Bindlach zieht sein Team aus der Bundesliga zurück"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 5/2008

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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