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Nowokusnetzk


Nowokusnetzk
Foto: www. russiaorg

Entspanntes Lächeln nach dem anstrengenden Turnier: Uni-Weltmeister Dimitri Botscharow

… für die leidgeplagten russischen Schachfunktionäre: bei der Jubiläumsauflage, der zehnten Austragung der Universitätsweltmeisterschaften gab es einen warmen Goldregen.

Die Meisterschaften fanden vom 3. bis zum 11. März in der sibirischen Stadt Nowokusnetzk statt, einem ehemaligen Kosaken-Vorposten in der Provinz Kemerovo, der sich später zu einer großen Industriean-siedlung entwickelte. In den Jahren 1932 bis 1961 trug die Stadt den Namen Stalinsk, erst acht Jahre nach dem Tod des Diktators erhielt sie ihren Namen wieder. In Nowokusnetzk befindet sich eine für sibirische Verhältnisse sehr große Universität, mit rund 10 000 Studenten und 21 000 Teilnehmern an Uni-Fernlehrgängen. Die Hochschule verfügt über eine agile, mehrere Hundert Mitglieder zählende Schachabteilung, die sich um die Ausrichtung der WM bewarb und diese auch erhielt.

Von der Teilnehmerzahl gesehen, war das Turnier überschaubar. Nur 33 Teilnehmer im Männerwettbe-werb und 24 bei den Frauen, das ist nicht viel, dafür waren aber etliche sehr starke Spieler dabei, im Männerwettbewerb je sechs Großmeister und Internationale Meister. Die Medaillengewinner wiesen ei-nen Wertungsdurchschnitt von fast 2600 Elo-Punkten auf.

Medaillenränge Männer

1. Irina Wasiljewitsch (RUS, 2378) 6,5
2. Natalija Pogonina (RUS, 2476) 6,5
3. Zhang Jilin (CHN, 2345) 6,0


Medaillenränge Frauen

1. Irina Wasiljewitsch (RUS, 2378) 6,5
2. Natalija Pogonina (RUS, 2476) 6,5
3. Zhang Jilin (CHN, 2345) 6,0


Mannschaftswertung

1. Russland 27,0
2. China 22,5
3. Mongolei 22,5


Aus dem deutschsprachigen Raum war nur die Schweiz vertreten, die Eidgenossen belegten bei der Nationalwertung den siebten Platz (von 12). In beiden Einzelwettbewerben gab erst die Zweitwertung den Ausschlag.

Königsindisch E 60
D. Botscharow (Russland)
N. Pokasanjew (Russland)
1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sf3 Lg7 4. g3 c5 5. dxc5 Da5+ 6. Sfd2 Dxc5 7. Lg2 0–0 8. 0–0 Sc6 9. Sc3 d6 10. Sd5 Ld7? Ein Zug, der „normal“ aussieht, aber dem Weißen taktische Möglichkeiten einräumt. Der einfache Abtausch auf d5 verdiente den Vorzug. 11. Sxf6+ exf6 11. …Lxf6 missfiel dem Schwarzen wegen 12. Se4 Df5 13. Sxf6+ Dxf6 14. c5! 12. Se4 Dxc4 13. Sxd6 Da6 14. b4!

Schach-Kombination

Es droht die Gabel b4-b5. Die aktive Aufstellung der weißen Figuren ermöglicht teilweise verblüffende Wendungen, wie z. B. 14. …Db6 15. Le3 Dxb4 16. Tb1 Da5 17. Sxb7 Df5 18. Tb5!! Dxb5 19. Dxd7 mit entscheidendem Materialgewinn. 14. …Sd4 15. Dxd4 f5 16. Dd1 Lxa1 17. Lxb7 Dxa2 18. Lh6 Lg7 19. Lxg7 Kxg7 20. Dd4+ f6 21. Lxa8 Txa8 Nach dem großen Gehacke ist – recht überraschend – eine Stellung mit materiellem Gleichgewicht entstanden. Allerdings ist die schwarze Königsstellung offen wie ein Scheunentor… 22. Tc1 De6 23. Tc7 Kg8 24. Sxf5 Dxf5 25. Txd7 Tc8 26. Txa7 De6 27. Kg2 Dc6+ 28. e4 Te8 29. b5! Da 29…Dxe4+ nach 30. Dxe4 Txe4 31. b6 Tb4 32. b7 letztlich einen Turm kostet, und der b-Bauer nach 29…De6 30. b6 nicht gut aufzuhalten ist, gab Schwarz hier auf. – 1:0

Spanisch C 90
B. Kowanowa (Russland)
Wang Yu (China)
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6 4. d3 Le7 5. 0–0 0–0 6. h3 d6 7. c3 Sa5 8. Lb5 a6 9. La4 c5 10. Sbd2 b5 11. Lc2 Sc6 12. Te1 Te8 13. Sf1 h6 14. Sg3 Lf8 15. d4 cxd4 16. cxd4 exd4 17. Sxd4 Sxd4 18. Dxd4 Le6 19. Lf4 Tc8 20. Lb3 d5 21. e5 Sd7 22. Tad1 Sb6 23. Dd3 Sc4

Schach-Kombination

Erwartet wurde 24. Lc1 (oder zuerst 24. Lc2 g6 und dann Lc1), aber Kowanowa stürmte vorwärts; das Material zählte nicht: 24. Sh5?! Sxb2 25. Dg3 Ganz „sauber“ war die Kombination der Russin nicht. Zwar darf Schwarz nach 25. …Sxd1 26. Sxg7 wegen Lxh6 nicht auf g7 zurückschlagen, aber 26. …Tc3! hätte das weiße Konzept in Frage gestellt: 27. Sxe6+ (27. f3 verliert nach 27. …Lc5+ 28. Kh2 Lf2!) 27. …Txg3 28. Sxd8 Txb3 29. axb3 mit materiellem Gleichstand und einem eher für Schwarz besseren Endspiel. Aber die Chinesin hatte den Konter …Tc3 übersehen. 25. …Kh8 26. Td4 a5 27. Ld2 a4 28. Th4! Dieses Opfer ist schon völlig korrekt, nach 28. Th4 axb3 entscheidet 29. Sf6!! sehenswert, die Hauptdrohung lautet 30. Txh6+ gxh6 31. Dg8 matt. 28. …Lf5 29. Lxd5! Ein taktischer Schlag jagt den anderen: 29. …Dxd5 verbietet sich wegen 30. Lxh6 gxh6 31. Sf6 mit Matt auf g8 oder Damenge-winn auf d5. Und auf 29. …Lg6 entfesselt 30. Sf6! gxf6 31. Lxh6 einen vernichtenden Angriff. Die einzige Verteidigung bestand in …Te6, was freilich die Qualität kostet, aber immerhin kostet das Weiß einen Bauern. 29. …Tc4

Schach-Kombination

Auch die Chinesin trickst und hofft auf das verfrühte 30. Sxg7?!, worauf …Dxh4! ge¬plant war. Aber Ko-wanowa setzt besser fort und spielt weiter wie im Opferrausch. Kein Wunder, dass diese Partie als die beste des ganzen Turniers bezeichnet wurde!

30. Lxh6! gxh6 Oder …Dxh4 31. Lxg7+ Kh7 32. Sf6+ mit Gewinn. 31. Lxf7 Es droht Dg8 matt. 31…. Dg5 scheitert an 32. Txc4 bxc4 33. Lxe8 Sd3 34. Te2 c3 35. Dxg5 hxg5 36. Lxa4 Sb4 37. Te3! c2 38. Tc3. 31. …Lh7 32. Txc4 Sxc4 33. Dc3! Lg7 34. Sxg7 Kxg7 35. e6+ Df6 36. Dxf6+ Kxf6 37. Lxe8 Sd6 38. Lxb5 nebst e6-e7, darum hier – 1:0
 
Auszug aus
"Uni-WM: Alle Goldmedaillen für Russland – Titel für Botscharow, Wasiljewitsch und das Team des Gastgeberlandes"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 4/2008

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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