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Österreich


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Foto:O. Borik

Csaba Balogh. Der Ungar war der erfolgreichste Spieler der ganzen Liga

… beendeten die Teams von SK Advisory Invest Baden und des SK Holz Dohr Semriach die Liga. Über den Titel entschied erst das dritte Kriterium, das Spiel gegeneinander, das Baden mit 3,5:2,5 gewann.

In der Alpenrepublik wird die Schachbundesliga mit 12 Sechserteams ausgetragen, die Spielsaison wird in nur drei Mehrfachrunden durchgezogen. Die letzten Wettkämpfe fanden vom 13. bis zum 16. März in Graz statt. Vor der Samstagsrunde führte Semriach mit zwei Brettpunkten Vorsprung, unterlag dann aber gegen Baden mit 3,5:2,5, der Vorsprung schrumpfte auf einen einzigen Punkt.

Während an den Brettern 4 und 6 wenig aufregende Punkteteilungen zustande kamen, fiel an den drei Spitzenbrettern jeweils die Entscheidung. Vielleicht unter dem psychologischen Druck, vielleicht aus anderen, privaten Gründen spielten zwei Großmeister weit unter ihrem sonstigen Level. Der namhafte Wahlslowene aus der Ukraine, Alexander Beljawski, misshandelte die Eröffnung, ging dann die Stellung mit der Brechstange an, kam nicht zum erhofften Gegenspiel und musste dann seine einzige Niederlagen in dieser Saison hinnehmen. Diese Feststellung soll jedoch die gute Leistung seinen Gegners nicht schmälern.

Ziemlich chancenlos unterlag Igor Rausis auf der Gegenseite. Diese 2:2-Punktgleichheit war für beide Seiten in Ordnung, aber an die Ereignisse an den Brettern 2 und 5 werden sich die Beteiligten und ihre Kollegen je nach Interessenlage mal mehr, mal weniger gerne erinnern.

Nein, es wurde sehr wohl noch spannend. Zunächst lief es gut für den Tabellenführer aus der kleinen Stadt Semriach (nahe Graz gelegen), der von dem Holzhändler Alexander Dohr unterstützt wird: nach rund zwei Stunden stand der ukrainische (aber für Slowenien spielende) Weltklassemann Alexander „Big Al“ Beljawski gegen den sonst in dieser Saison hervorragend spielenden Markus Ragger bereits auf Gewinn und fuhr nach 33 Zügen den Punkt ein.

Spanisch C 89
M. Ragger (Maria Saal)
A. Beljawski (Semriach)
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0–0 Le7 6. Te1 b5 7. Lb3 0–0 8. c3 d5 9. exd5 Sxd5 10. Sxe5 Sxe5 11. Txe5 c6 12. d3 Ld6 13. Te1 Dh4 14. g3 Dh3 15. Te4 Sf6 Zuletzt hatte Beljawski diese Stellung bei der Balkaniade 2003 in Istanbul 2003 auf dem Brett, dort spielte er gegen Kotronias 15. …Df5. Den Partiezug hatte Beljawski noch nie gespielt. Es sieht ganz so aus, als wäre Raggers Eröffnungsvorbereitung nicht aufgegangen. 16. Th4 Df5 17. Lf4

Schach-Kombination

Was ein Anand gespielt hat, kann doch so verkehrt nicht sein, könnte man bei Durchsicht der einschlägigen Eröffnungsliteratur denken. Der Zug Lf4 geschah in einer 1988 in Blackpool gespielten Partie Anand-Cooper. Der Schwarzspieler setzte damals jedoch schlecht mit 17. …g5 fort und geriet nach 18. Lxd6 gxh4 19. Lxf8 Kxf8 20. De2 Lb7 21. Sd2 c5 22. f3 allmählich in Nachteil. Doch der Läuferausfall nach f4 hat einen gravierenden Mangel, wie Anand offensichtlich selbst feststellte, denn 2004 kehrte er gegen Shirov wieder zu dem bekannten Zug 17. Sd2 zurück. Beljawski spielte 17. …Le7 Wohin mit dem gestrandeten Turm h4? 18. Lc2 Ein Remis gegen Beljawski, davon können die meisten Spieler nur träumen und selbst starke Meister wie Ragger wäre wohl kaum abgeneigt. Genau genommen, hätte er nach 18. Lc2 und der Gabel 18. …g5 auch schon remisieren müssen – 19. d4 Dd5 20. Lb3 Df5 (der Bauer g5 bedarf der Deckung) 21. Lc2 Dd5 22. Lb3, und da hätte bestimmt keiner seiner Mannschaftskollegen gemeckert. Doch Beljawski ist (wie meistens) an einem Remis nicht interessiert. 18. …Dg6 19. d4 Lf5 20. Lxf5 Dxf5 Nun ist …g5 eine ernst zu nehmende Drohung. 21. Le5? Wer lässt sich schon gerne zu einem passiven Rückzug überreden, aber es gab nun einmal keine vernünftige Alternative zu 21. Lc1. In diesem Fall wäre nach 21. …Sd5 (21. …Se4 22. Tf4) einfach 22. Th5 Dg6 (Hier nicht 22. …g5? 23. h4 h6 24. hxg5 hxg5 25. Sa3, und der Turm steht auf der h-Linie plötzlich ganz gut.) 23. Te5 Ld6 24. Te1 möglich gewesen. Der Turm wäre wieder auf einem gesicherten Feld gelandet, allerdings hat sein Ausflug sieben (!) Tempi gekostet (fünf für Turmzüge, zwei für Lc1-f4-c1), während Schwarz seinerseits mit seiner Läuferschaukel und Zügen mit der Dame nur fünf Tempi vergeudete. So richtig traut der Kommentator der weißen Stellung nach …f5 nicht, aber sicherlich wäre das besser gewesen als die Partiefolge. 21. …Sd5 22. g4 22. Th5 De6 drohend …g6 22. …Dg6 23. Th3 f6 24. Lg3

Schach-Kombination

Schon bei einem flüchtigen Blick auf die Stellung des Th3 wird das weiße Eröffnungsdebakel deutlich. Ragger hat in dieser Saison viel geleistet, dies war jedoch nicht sein Tag. Schwarz gewann nach den weiteren Zügen 24. …f5 25. gxf5 Txf5 26. Kh1 h5 27. Le5 Txf2 28. Tg3 Lg5 29. Sd2 h4 30. Tg1 Se3 31. De1 Df7 32. Dxf2 Dxf2 33. Txg5 Ta7 – 0:1

Aber auch bei der Konkurrenz wurde gepunktet, sogar dreimal. Erwartungsgemäß an Brett 6, wo sich der Leistungsunterschied von rund 300 Elopunkten sehr schnell auswirkte, aber auch an Brett 5, wo Eva Moser eine remisliche Stellung in Zeitnot wegwarf, und schließlich auch im Großmeisterduell am Spitzenbrett.
 
Auszug aus
"Fotofinish in Graz – SK Advisory Invest Baden gewinnt hauchdünn vor Holz Dohr Semriach die österreichische Bundesliga"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 4/2008

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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