Schach-Magazin
Schach Magazin
Archiv 2008 ::

Bad Wörrishofen


Bad Wörrishofen
Foto: F. Jarchov

Das Siegertrio: Daniel Fridman, flankiert von Klaus Bischoff (l., Platz 2) und Leonid Kritz

… Einen neuen Pass hat der ehemalige Lette auch, und zwar einen mit dem Bundesadler. Durch den Wechsel der Staatsbürgerschaft erfüllte der 32-Jährige (geb. am 15. 2. 1976), im Ruhrgebiet ansässige Schachprofi die notwendige Bedingung, um in die deutsche Nationalmannschaft einberufen zu werden. Und vor wenigen Tagen, am 23. Februar 2008 bestätigte Fridman seinen hohen Rang in der Deutschen Rangliste (derzeit die Nr. 2) mit dem Gewinn der Deutschen Einzelmeisterschaft in Bad Wörishofen. Das letzte Wort bei der Olympia-Nominierung hat natürlich der Bundestrainer, aber es wäre schon eine Überraschung, wenn Fridman in Dresden nicht dabei wäre.

Hoffnungen auf einen Platz im deutschen Olympiateam machen sich derzeit viele, und sie waren auch fast alle bei dieser Meisterschaft versammelt. Dem einen oder anderen gelang es, sich gut in Szene zu setzen, andere konnten nicht ganz so überzeugen. Die beste Figur (neben Fridman) machte Klaus Bischoff, der zu den Opfern der DSB-Linie (Verjüngung der Nationalmannschaft) zählt. Dabei waren es gerade die Männer zwischen 35 und 55, die den größten Erfolg einer deutschen Mannschaft seit der Wiedervereinigung (Silber bei der Schacholympiade 2000) erreichten, die verjüngten Teams in der Zeit danach erreichten weit weniger. Bischoff war anno 2000 in Istanbul dabei und bei der Deutschen Meisterschaft zeigte er erneut, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Neben Fridman und Bischoff zeigte über weite Strecken Vitali Kunin die beste Leistung. Der 24-Jährige lieferte sich bis zur sechsten Runde mit Fridman einen Kampf um die Tabellenführung, fiel dann aber etwas zurück – insbesondere durch die Niederlage gegen Henrichs in der Schlussrunde – und wurde knapp von Leonid Kritz überflügelt.

Analog der Einzel-Europameisterschaft, ist auch die Deutsche Meisterschaft kein Turnier nur für Männer. Die Teilnahmevoraussetzung ist neben der Spielstärke bzw. einer vorausgegangenen Qualifikation allein die Mitgliedschaft in einem Verein des Deutschen Schachbunds. Bei dem Frauenanteil im DSB von 7% hätte man rechnerisch eigentlich drei Frauen unter den Teilnehmer erwarten können, es waren aber nur zwei, eben die beiden derzeit mit Abstand besten. Beendet hat das Turnier nur eine von ihnen, die Rekordnationalspielerin Ketino Kachiani-Gersinska, die als zweifache Mutter zwar heute ihre Prioritäten anders setzt (sprich: sie hat wenig Spielpraxis), aber immer noch passabel abschneiden konnte.

Die zweite im Bunde, Elisabeth Pähtz, stieg nach der sechsten Runde aus. Sie musste ihrem umtriebigen Schachleben letztlich Tribut zollen. Bereits bei der Berliner Bundesligarunde gesundheitlich nicht ganz auf dem Damm, schleppte sie ihre Erkältung nach Bad Wörishofen mit, wo sie schon 1994 als Neunjährige am Brett saß. Zu Runde fünf kamen die Halsschmerzen und „dann wusste ich schon, wie mein Krankheitsverlauf sein wird,“ meinte sie heiser und verschnupft zwei Tage nach dem Ausstieg mit 3,5 Punkten aus sechs Partien: „Eigentlich wollte ich zur 6. Runde nicht mehr antreten, aber das wäre gegenüber IM Thomas Henrichs unfair gewesen, dem es seine Normchancen geraubt hätte“, verriet sie unserem Mitarbeiter Harald Fietz am Telefon. So gab es nochmals ein Remis, nachdem sie bereits gegen drei GMs angetreten war! Die Spielbedingungen fand sie ungewöhnlich geräumig, denn sonst wird in dem großen Kurhaussaal ein ganzes Open abgewickelt. „Einzig einige nicht auf Schach eingestellte Senioren veranstalteten manchmal einigen Lärm.“ Zur Genesung folgte eine halbe Woche Zwischenstopp bei den Eltern in Kerpsleben bei Erfurt, bevor am Wohnort Berlin die Vorbereitung auf das Open in Reykjavik ansteht.

Mit der folgenden Gewinnpartie aus der letzten Runde brachte Fridman seinen Titel unter Dach und Fach.

Caro-Kann B 19
E. Chevelevich (Hamburger SK)
D. Fridman (SV Mülheim-Nord)
1. e4 c6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4 4. Sxe4 Lf5 5. Sg3 Lg6 6. h4 h6 7. Sf3 Sd7 8. h5 Lh7 9. Ld3 Lxd3 10. Dxd3 e6 11. Lf4 Da5+ 12. Ld2 Lb4 Das ist eine kleine Finesse, nach 13. c3 Le7 kann Weiß nicht gleich lang rochieren, da a2 hängt. Und falls 14. c4, so …Da6. 13. Se4 Sgf6 14. Sd6+ Man sieht, dass …Lb4 auch seine Schattenseiten hat; Schwarz verliert nun das Rochaderecht. Allerdings fehlt bis heute der Beweis eines weißen Vorteils. 14. …Ke7 15. Sxb7 Lxd2+ 16. Sxd2 Db4 17. Db3 Dxd4 18. 0–0–0

Schach-Kombination

Alles schon da gewesen. Als eine Referenzpartie wird immer wieder Morovic-Karpow (Cap d’Agde 2002) herangezogen, offenbar wegen des großen Namens des früheren Weltmeisters, der mit …Thb8 fortfuhr, und nach 19. Da3+ c5 20. Sa5 wegen der drohenden Gabel mit dem Turm von b8 wieder nach c8 ziehen musste. Fridmans Zug 18. …Tab8 ermöglicht eine effektivere Turmaufstellung. 19. Da3+ c5 20. Sa5 Thc8 21. Sf3 Db4 Sicherheit geht vor. 21. …Dxf2 ist nicht zu widerlegen, gibt dem Weißen aber freies Spiel, z. B. 22. Td2 Dg3 23. Sc4 Dc7 24. Sd6 Td8 25. Thd1. Warum sollte Schwarz etwas riskieren, wenn ihm der Damenabtausch problemlos gute Chancen einräumt? 22. Dxb4 cxb4 Jetzt sieht man, wie gut die schwarzen Türme stehen. 23. Sd4 Tb6 24. Sab3 Td6 25. The1 Td5 26. g4 Kf8 Eigentlich ist auch 26. …Sxg4 in Ordnung für Schwarz, z. B. 27. Sc6+ Kf8 28. Txd5 exd5 29. Sxb4 Sxf2 30. Te2 Se4 31. Sxd5 Sg3 32. Th2 Te8, aber Fridman gefiel hat das Endspiel in der Partie besser. 27. f3 a5 28. Kb1 Sb6 29. Se2 a4 30. Txd5 Sfxd5 31. Sd2 a3 32. bxa3 bxa3 33. Tc1 Tb8 34. Ka1 Se3 35. Sd4 Td8 36. S4b3 Tc8 37. Kb1 f5 38. Sd4 Kf7 39. gxf5 exf5 40. Te1 Sbd5 41. c4 Sxc4 42. Sxc4 Txc4 43. Sxf5 Tc6 44. Tg1 Tf6 45. Sd4 45. Txg7+? Kf8 mit Figurengewinn. 45. …Tb6+ 46. Sb3 Sc3+ 47. Ka1 Td6 48. Tc1 Td3 und der Anziehende verspürte keine Lust mehr zum Weiterspielen – 0:1
 
Auszug aus
"Junger Vater holt den Titel – Daniel Fridman gewinnt überlegen die Deutsche Meisterschaft"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 3/2008

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

Designelement  :: Aktuelles Designelement
  Aktuelles Heft
Aktuelles Heft
Im Heft blättern
 

Designelement  :: Jahrgangsschuber Designelement
  Jahrgangsschuber
Aktuelles Heft
Der Preis pro Stück für 12 Ausgaben – inklusive Porto und Schutz-Verpackung beträgt € 14,90
Bestellungen bitte unter
Tel.: (0421) 36 90 325