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Archiv 2008 ::

Zum Tode Fischer


Fischer
Foto: Privatarchiv

Bobby Fischer 1958 bei einem Besuch in Belgrad

… im Internet wimmelte es nur so von Statements, bei denen freilich nicht selten Altbekanntes aufgewärmt wurde.

Für diesen Beitrag haben wir uns zum Ziel gesetzt, kaum oder gar nicht bekannte sowie persönlich gefärbte Aussagen und Informationen zu präsentieren. Diese Aufgabe übernahmen unsere Mitarbeiter und Kollegen Großmeister Ian Rogers (Australien), die Internationale Meisterin Anna Burtasowa (Russland) und FIDE-Meister Josip Asik (Serbien) und in Deutschland Harald Fietz (Berlin), der die Aktion organisierte und den Großteil der Übersetzung besorgte.

Vergangenheit Jugoslawien
Jugoslawien war schon seit der Teenager-Zeit eines von Fischers Lieblingsländern. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit, wie FIDE-Meister Josip Asik zu bedenken gibt: „Wir betrachteten ihn immer ‚als einen von uns‘, gerade weil er aufgrund der UN-Sanktionen gegen Jugoslawien litt und wir diese natürlich als ‚eine große Ungerechtigkeit‘ erachteten, besonders in den Sportbeziehungen.“ Weiterhin unterstreicht der Sport- und Schachreporter von der TV-Politika Fischers ungeheure Popularität: „Natürlich kennt ihn im heutigen Serbien immer noch jeder, und seine Todesnachricht kam wie ein Schock. Selbst meine Großmutter, die kein Schach spielt, war entsetzt. Meine Zeitung ‚Novosti‘ initiierte sofort eine Aktion, dass in Belgrad eine Straße nach Fischer benannt wird, und der Oberbürgermeister hat bereits zugestimmt.“

Fünf Koryphäen aus Belgrad erinnern sich, allen voran Svetozar Gligoric, ein besonders enger Vertrauter, der am 2. Februar seinen 85. Geburtstag feierte: „Fischer kam 1958 als 15-Jähriger nach Belgrad. Ich war zu jener Zeit 35 Jahre und einer der weltbesten Spieler. Ich dachte, es sei meine Pflicht, ein guter Gastgeber zu sein und begleitete ihn überall hin. Die ganze Zeit wollte er mit mir ein Wettschwimmen im Sava-Fluss machen. Ich versuchte, diese Herausforderung zu umgehen, denn ich bin in der Nähe von zwei großen Flüssen aufgewachsen und Schwimmen war immer Teil meines Leben, warum sollte ich mich dann mit einem Frischling messen? Außerdem fragte er mich die ganze Zeit über verschiedene Sizilianisch-Varianten aus. Ich wollte meine Zeit aber nicht verschwenden, denn ich hielt eine bestimmte Variante für inkorrekt. Doch dann geschah es im selben Jahr beim Interzonenturnier in Portoroz: urplötzlich ‚knallte‘ er Turm h7 aufs Brett; genau das, womit er mich in Belgrad gelöchert hatte. Irgendwie gelang mir nur ein Remis, denn ich fand keine passende Entgegnung.

Fischer ist der größte Spieler der Schachgeschichte. Es gibt keinen Spieler, der in seiner Zeit auf einem so viel höheren Level wie seine Konkurrenten spielte. Als ich hörte, dass er ins Krankenhaus musste, wusste ich sofort, dass es ernsthaft um ihn stand. Auch da die Japanerin Mijoko Watai zusammen mit seinem besten Freund, dem Philippiner Eugene Torre, extra von Tokio nach Island reiste. Bobby hasste Krankenhäuser und glaubte immer, dass er ein gesunder Mann wäre. Unsere Freundschaft dauerte ein halbes Jahrhundert. Und ich versuchte, vor ihm – insbesondere in seiner 20-jährigen Zeit der Isolation – geheim zu halten, dass ich mich wesentlich nur aus dem Grund für das Amt als FIDE-Präsident bewarb, um ihn zum Schach zurückzubringen. Unvorstellbare FIDE-Entscheidungen haben ihn aus der Schachszene getrieben.

Er war sensationell in jeder Hinsicht. Er tat immer, was man gerade am wenigsten erwartete. Sein Schacherbe ist gewaltig. Die Resultate, die er erzielte, seine absolute Hingabe an das Spiel und sein Anlocken der Medien zwangen die Welt, unseren Sport als die beste intellektuelle Erfindung für den menschlichen Geist zu respektieren. Fischer verteidigte seine Prinzipien, er war bereit, dafür große Opfer zu bringen und lebte lange Zeit in großer Armut. Daher müssen seine Nachfolger ihm danken, dass sie wohlhabende Leute wurden.“

Sizilianisch B 98
S. Gligoric – R. J. Fischer
Portoroz (Interzonenturnier) 1958
1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. Lg5 e6 7. f4 Le7 8. Df3 h6 9. Lh4 g5 10. fxg5 Sfd7 11. Sxe6 fxe6 12. Dh5+ Kf8 Jetzt folgt ein überraschender Läuferzug, mit dem beim Interzonenturnier 1955 in Göteborg drei Sowjetspieler mit gleichen Farben in der gleichen Runde drei Argentinier bezwangen! 13. Lb5!

Schach-Kombination

13. …Th7!N Lassen Sie einen Computer mal danach schauen? Nein, dieser Zug basiert auf menschlicher Intuition bar jeder Errechenbarkeit. Mit solchen Zügen erlangte Fischer frühen Respekt und Ruhm. 14. Dg6 Tf7 15. Dxh6+ Kg8 16. Dg6+ Drei Alternativen kamen in Betracht, aber aus weißer Sicht führt keine zu Vorteil, weshalb sich Weiß nach der Fischer-Neuerung mit Th7 kaum mehr darauf einließ: a) 16. Tf1 Txf1+ 17. Lxf1 Se5 18. Lc4 Sxc4 remis (Timman-Stean, London 1973), oder b) 16. Lxd7 Lxd7 17. e5? (Richtig war 17. g6 Tg7 – nicht 17. …Lxh4+ 18. g3 Tg7 19. gxh4 – 18. Lxe7 Dxe7 mit Ausgleich) 17. …d5 18. 0–0–0 Th7 19. Dg6+ Tg7 20. Dd3 Lxg5+ 21. Lxg5 Dxg5+ 22. Kb1 Sc6, und Schwarz gewann leicht in Kupka-Jansa, Ostrau 1960, oder c) 16. g6 Lxh4+ 17. g3 Tg7 18. gxh4 axb5, mit Vorteil für Schwarz laut Gligoric. 16. …Tg7 17. Dxe6+ Kh8 18. Lxd7 Sxd7 19. 0–0–0 Wenig fruchtete 19. 0–0 Se5 20. Dd5 Lxg5 21. Lg3 Le3+ 22. Kh1 Txg3 23. hxg3 Dg5 24. Tf8+ Kh7 25. Tf7+ Kg6 26. Dxd6+ Kxf7 27. Tf1+ Kg7 28. Df8+ Kh7 29. Tf7+ Sxf7 30. Dxf7+ Dg7 – 0:1 (Szmetan-Cativelli, Buenos Aires 1973). 19. …Se5 20. Dd5 Lg4 21. Tdf1 Lxg5+ 22. Lxg5 Dxg5+ 23. Kb1 De7 24. Dd2 Le6 25. g3 Td8 26. Tf4 Dg5 27. Df2 Kg8 28. Td1 Tf7 29. b3 De7 30. Dd4 Sg6 31. Txf7 Dxf7 32. De3 „Wenn Weiß etwas unternehmen will, muss er mit den Bauern vorrücken, dann aber werden diese Bauern schwach und dem Angriff der schwarzen Figuren ausgesetzt.“ (Gligoric) – remis
 
Auszug aus
"Stimmen zu Fischers Ableben – Weltbekannte Spieler erweisen dem Schachgenie ihre Referenz"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 2/2008

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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