Schach Magazin
Test und Training ::

Subtiles Bauernopfer als Wegbereiter des Königsangriffs


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen. Die aktuelle Krise hat einen Trend beschleunigt: Mehr und mehr Turniere - ernsthafte Turniere - finden online statt. Der Weltmeister und sein Team haben die Zeichen der Zeit erkannt, aus der Not eine Tugend gemacht und unter dem Namen Magnus Carlsen Chess Tour organisieren sie jetzt eine Reihe von Online-Rapid-Turnieren.

Für Turnierorganisatoren sind Online-Turniere durchaus attraktiv: für Unterkunft und Anreise fallen keine Kosten an, über die man sich Gedanken machen müsste, und für Sponsoren ist das Online-Publikum von größtem Interesse.

Aber wie geht es den Spielern damit? Zuhause bleiben und spielen muss für die umherziehenden Schachprofis angenehm sein - zumindest für eine gewisse Zeit. Ich bin jedoch sicher, dass sie irgendwann den Kampf am Brett und den Kontakt zu anderen Spielern vermissen werden.

Und das Online-Publikum? Die Berichterstattung auf chess24 - dem Magnus Carlsen Kanal - ist sehr gut gewesen. Die Webcam sorgt dafür, dass man beide Spieler gleichzeitig sieht und so können wir sehr genau verfolgen, wie sie sich während der Partie fühlen und gelegentlich sogar sehen, wie sie sich ärgern.

Aber was ist mit Cheating? Die Spitzenspieler würden das kaum riskieren - ihr Ruf wäre sofort ruiniert und sie würden keine Einladungen mehr bekommen. Und ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass sie überhaupt den Wunsch haben, zu schummeln: sie werden ziemlich ordentlich bezahlt, ganz egal, wie sie im Turnier abschneiden und der Druck beim Schnellschach ist nicht so groß. Wenn sie schlecht spielen, dann haben sie eine Ausrede: "Ein bisschen Lotterie ist immer dabei."

Doch funktioniert das auch bei anderen Turnieren? Hmm. Die Belege dafür sind bislang gemischt. Jeden Dezember organisiert das Sunway Sitges Hotel ein wunderbares Turnier (wie ich in einem meiner früheren Berichte beschrieben habe!) und so wurde beschlossen, ein klassisches Open online auszutragen, dessen Höhepunkt ein K.-o.-Blitzfinale der Bestplatzierten sein sollte. Das Online-Turnier sollte auch daran erinnern, dass die Organisatoren die Hoffnung haben, später in diesem Jahr doch noch ein Live-Turnier stattfinden zu lassen; und die Organisatoren haben sehr gute Arbeit geleistet.

Für die Topspieler liefen die Dinge mehr oder weniger glatt. Aber es gab einige Spieler, die beim Betrügen erwischt wurden: Chess.com hat sehr hoch entwickelte Software, die diejenigen aufspürt, die mit Computerunterstützung spielen. Ich habe von anderen Online-Turnieren gehört, in denen es Cheating gegeben hat, allerdings nicht von Spielern mit hoher Elo-Zahl. Simon Williams und David Howell haben vor kurzem beklagt, dass sie Online-Simultanveranstaltungen gespielt hätten, bei denen ihre Gegner offensichtlich Schachsoftware eingesetzt haben.

So müssen noch ein paar Probleme gelöst werden, bevor der gesamte Turnierbetrieb ins Internet verlagert wird. Aber fürs Erste können uns die Spitzenspieler unterhalten. Das war der Fall beim Online Nations Cup, der von der FIDE und Chess.com organisiert wurde, und den Yu Yangyi gewonnen hat - im klassischen Schach ein richtig starker Spieler, aber im Schnellschach vielleicht sogar noch besser. Gespielt wurde mit einer Bedenkzeit von 25 Minuten für die ganze Partie und 10 Sekunden Inkrement pro Zug - im Vergleich zu anderen Turnieren relativ langsam.

Damengambit D 38
Yu Yangyi (2738) - Wesley So (2741)
Online Nations Cup, 2020


1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. Sf3 d5 Die Ragosin-Variante erfreut sich derzeit einiger Beliebtheit. Sie ist der Schauplatz für viele Topspieler: Den Nachziehenden eröffnet sie die Chance, Unruhe ins Spiel zu bringen, ohne dafür Raum im Zentrum hergeben zu müssen. 5. Db3 Nun, da die Dame die Bühne betreten hat, sind die Einsätze erhöht: Geht alles gut, erhält Weiß das Läuferpaar sowie einen positionellen Vorteil; andernfalls nützt Schwarz den Umstand, dass der weiße Königsflügel unterentwickelt ist und ergreift die Initiative, was er mit seinem nächsten Zug auch tut: 5. …c5 6. dxc5 Sa6 7. cxd5 Sxd5 8. c6 Der erste neue Zug. Bevor Schwarz sich den Bauern zurückholen kann, wirft Weiß ihn lieber gleich ins Getümmel und zerreißt dabei die schwarze Bauernstellung am Damenflügel. Das ist nicht ohne Risiko, denn Linien werden geöffnet und Weiß mangelt es an Unterstützung durch seine Figuren. In der Partie Grybas-Clemente Llamero, Ohrid 2017, folgte 8. Ld2 Sxc5 9. Dc4 0-0, und Schwarz stand gut, sogar noch besser ist womöglich 9. …b6 mit der Idee …La6. 8. …Da5

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9. Ld2

Zwei Punkte. Der Angriff auf c3 ist typisch für Ragosin, wo Schwarz bereits in einem frühen Partiestadium Druck auf dem Damenflügel ausübt. Falls 9. a3, so 9. …Sxc3 10. bxc3 Lxc3+ 11. Ld2 Lxd2+ 12. Sxd2 bxc6, und Schwarz hat einen Bauern mehr.

9. …bxc6

Weiter geht's in der Ausgabe Juli 2020.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

Leseprobe:

Großmeister Daniel King schreibt in jeder Ausgabe der monatlich erscheinenden Zeitschrift Schach-Magazin 64 eine neue Folge! Eine Leseprobe als PDF-Datei können Sie hier herunterladen: Katalanisch E 06, K. Sauravh (2324) – J. Gustafsson (2647),Pattaya 2011

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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