Schach Magazin
Test und Training ::

Der heutige Stratege Ding Liren und eine Reminiszenz an seine jungen, wilden Jahre


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

Im Sommer letzten Jahres, während seiner Teilnahme an dem Spitzenturnier Norway Chess, brach sich der Chinese Ding Liren bei einem Sturz während einer Radtour die Hüfte. Bis die Verletzung vollständig verheilt war, vergingen drei Monate. Die lange Turnierpause hat sich nicht negativ auf seine Form ausgewirkt. Bis November 2018 verlängerte er seine einmalige Serie von 100 Partien in Folge ohne Niederlage und kletterte bis auf die dritte Sprosse der Weltrangliste hoch, wo er sich immer noch befindet.

Als ich Ding Liren zum ersten Mal sah, das war 2013 in Biel, fiel er mit seiner aggressiven Spielweise auf. Mit Schwarz bevorzugte er wilde Varianten im Königsinder, mit Weiß ging er in jeder Variante auf den gegnerischen König los.

Seit dieser Zeit, während er sich Schritt für Schritt in der Weltspitze etablierte, erweiterte er sein Eröffnungsrepertoire und begann auch erheblich solider zu spielen. Kürzlich habe ich ihn beim Lindores Abbey Schnellschachturnier erlebt, wo er hinter Carlsen Zweiter wurde und es hätte nicht viel gefehlt und er wäre sogar vor dem Weltmeister gelandet. Carlsen musste sich sputen, um ein Turmendspiel mit einem Bauern weniger remis zu halten.

Ding wirkt am Brett äußerst phlegmatisch, er hat seine Emotionen voll im Griff und ist vielleicht deshalb für Carlsen ein unbequemer Gegner. Abseits des Schachbrettes ist er ein ruhiger, aber freundlicher Zeitgenosse mit einem feinen Sinn für Humor.

Bei seinem Turnierauftritt bei der Grand Chess Tour in Kroatien (vgl. den Bericht in der letzten Ausgabe ab Seite 4) kam Ding Liren "nur" auf 50 % der möglichen Punkte. Seine nachstehend analysierte Partie war jedoch brillant. Nach einem soliden Anfang, wie er heutzutage in der Eröffnung bevorzugt agiert, erinnerte sein Spiel zunehmend an seine wilde Jugendzeit. Nach einer guten positionellen Vorbereitung räumte er plötzlich alle Hindernisse beiseite und startete einen vernichtenden Schlussangriff auf die gegnerische Königsstellung.

Englisch A 20
Ding Liren (2805)
I. Nepomniachtchi (2775)
Zagreb GCT, 2019


1. c4 e5 2. g3 Sf6 3. Lg2 d5 4. cxd5 Sxd5 5. Sf3 Sc6 6. 0-0 Le7 7. d4 e4 8. Se5 f5 9. Sxc6 bxc6

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10. Dc2 Fünf Punkte. Der mitten im Zentrum thronende schwarze Springer sowie der starke Bauer auf e4, der den weißfeldrigen Läufer blockiert, machen es dem Anziehenden schwer, einen Vorteil in der Stellung zu erreichen. Ich sollte es wissen, habe ich doch einst mit 10. Sd2 (ein Punkt) fortgesetzt, wonach mein Gegner bequem Ausgleich erreichte: 10. …0-0 11. Sc4. Ich hätte vielleicht 11. Sb3 versuchen sollen, um den Doppelbauern zu fixieren, aber wie soll Weiß vorankommen, wenn er Schwarz im Zentrum einfach machen lässt?

Die Stellung nach dem Abtausch auf c6 erinnert an die französische Verteidigung mit umgekehrten Farben, mit einer für Weiß wenig erstrebenswerten Aufstellung.

Der Textzug ist viel besser. Weiß stellt sofort eine Drohung auf und lässt nicht zu, dass Schwarz sich in aller Ruhe weiter entwickelt: 11. …c5 12. dxc5 Lxc5, King-Joyce, Dublin 1995.

10. Da4 (drei Punkte) setzt die Bauern ebenfalls unter Druck und zwingt Schwarz, sein Vorgehen zu überdenken.

10. Sc3 (ein Punkt) kann Schwarz nicht in Verlegenheit bringen und wird ganz einfach mit 10. …Le6 beantwortet.

10. …Sb4

Weiter geht's in der Ausgabe September 2019.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

Leseprobe:

Großmeister Daniel King schreibt in jeder Ausgabe der monatlich erscheinenden Zeitschrift Schach-Magazin 64 eine neue Folge! Eine Leseprobe als PDF-Datei können Sie hier herunterladen: Katalanisch E 06, K. Sauravh (2324) – J. Gustafsson (2647),Pattaya 2011

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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