Schach Magazin
Test und Training ::

Alexej Shirov. Bald fünfzig, immer noch Weltklasse


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

In den letzten paar Wochen (zumindest vor Beginn des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Magnus Carlsen und Ian Nepomniachtchi in Dubai) hat der 18-jährige Alireza Firouzja die Schlagzeilen beherrscht, da er sich erst für das Kandidatenturnier 2022 qualifiziert und im Anschluss bei der Mannschaftseuropameisterschaft am ersten Brett für Frankreich Gold geholt hat. Diese Erfolge haben ihn auf über 2800 Elo und auf Platz zwei der Weltrangliste katapultiert. Ich bin sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis ich eine oder mehr seiner Partien in dieser Kolumne zeigen werde.

Aber ich wollte mich auf einen anderen Spieler konzentrieren, der in der Weltrangliste schnell nach oben geklettert ist und wieder über 2700 liegt, nachdem er in seinen letzten Turnieren einen Elo-Zuwachs von 29 Punkten verzeichnen konnte. Beim FIDE Grand Swiss hat der 49-jährige Alexei Shirov ein Ergebnis von 7/11 geholt: Er hat gut begonnen, aber konnte dann eine Remisserie nicht verhindern (gegen zugegeben gute Gegnerschaft). Dennoch, ein gutes Ergebnis. Das Gleiche geschah bei der Mannschaftseuropameisterschaft: Am Spitzenbrett (für Spanien) gelangen ihm ein paar Siege, während er gegen die Elite solide die Stellung halten konnte. Könnten wir hier Zeuge eines neuen Aufschwungs werden? Hoffen wir es.

Test & Training

Alexei Shirov
Viktor Erdos
ETCC 2021


Hier ist ein ausgezeichnetes Beispiel für Shirovs Einfallsreichtum und sein Gespür für Angriffsmöglichkeiten. Diese Stellung ist nicht Teil des Tests, aber bevor Sie weiterlesen, überlegen Sie doch einmal, wie Sie auf den Angriff auf den Läufer c4 reagieren würden. Wie viele von uns würden den Läufer ohne lange nachzudenken einfach in Sicherheit bringen und 21.La2 spielen? Vor allem, da Weiß danach einen angenehmen positionellen Vorteil behält.

Shirov sah jedoch eine Möglichkeit, einen Angriff einzuleiten: 21.Sd5 Dxc4 22.Sxf6+ gxf6 23.Dh5. Die Stellung ist wahnsinnig kompliziert, aber Alexeis Einschätzung erwies sich als richtig: Obwohl er eine Figur weniger hatte, konnte er seine Initiative bis ins Endspiel festhalten und gewinnen. Ich hatte große Lust, diese Partie für den Test zu nehmen, aber sie war ein bisschen zu lang und außerdem gab es noch eine andere phantastische Partie zur Auswahl. Ahmed Adly ist ein starker Spieler, aber auch er fand kein Mittel gegen die geballte Wucht von Shirovs Angriffsspiel.

Sizilianisch B 69
A.Shirov – A.Adly
FIDE Chess.com


1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 Der Richter-Rauser Angriff. Ich habe diese Stellung schon mit beiden Farben gespielt, aber habe mich mit Weiß immer wohler gefühlt. Die Mischung aus Angriffsschach und strategischem Spiel ist sehr reizvoll. 6.…e6 7.Dd2 a6 8.0–0–0 Ld7 9.f4 Die traditionelle Methode, die Stellung zu spielen. In den letzten Jahren haben die Züge 9.f3 und 9.Kb1 ebenfalls Beachtung gefunden, und danach kommt Weiß manchmal zu Stellungen aus dem Englischen Angriff. 9.…Le7 10.Sf3 b5 11.Lxf6 Die meisten Spieler entscheiden sich für diese Fortsetzung, aber als ich mir diese Variante vor Jahren angeschaut habe, hat mir 11.e5 immer Sorgen bereitet. Danach ist die folgende Fortsetzung erzwungen: 11.…b4 12.exf6 bxc3 13.Dxc3 gxf6 14.Lh4. Die Stellung ist unausgeglichen. Das schwarze Bauernzentrum ist potenziell ein langfristiges Plus, aber Weiß ist sehr viel besser koordiniert. 11.…gxf6 12.Ld3 Hier geschah in Fischer-Spassky, Reykjavik 1972, Partie 18, 12.…Da5 13.Kb1 b4 14.Se2 Dc5 15.f5 a5 16.Sf4 a4 17.Tc1 Tb8 18.c3 b3 19.a3 mit einem wahnsinnig komplizierten Mittelspiel, das schließlich in ein Remis mündete. Diese Partie hat viele Spieler dazu gebracht, diese Variante zu testen. Auch Shirov hat schon Erfahrungen mit dieser Stellung gesammelt, aber es scheint, als hätte er sich noch nicht endgültig entschieden, wie er hier vorgehen will, denn in seinen vorhergehenden Partien hat er schon eine ganze Reihe unterschiedlicher Strategien verfolgt. Mir scheint, dass er kein großer Forscher ist und sich nicht immer mit Leib und Seele auf seine Partien vorbereitet. Kein Wunder, dass er gegen Kasparow, ein Spieler, der abseits des Bretts genauso hart wie am Brett gearbeitet hat, immer Probleme hatte (fairerweise muss man sagen, dass das den meisten so ging). Alexei spart sich seine Energie und Kreativität für seine Partien auf, wenn ihm ein Gegner gegenübersitzt und er in Kampfstimmung kommt. 12.…Db6 Hier beginnt der Test.

Test & Training

13.Kb1

Drei Punkte. Ein vorsichtiger Start, der den a-Bauern gedeckt und den König geschützt hält. Die Tatsache, dass Shirov für diesen Zug etwa sechseinhalb Minuten verbraucht hat, zeigt, dass er sich in der Stellung bereits orientieren muss. Andere Profis wären hier noch ihren computergestützten Analysen gefolgt.

Die Alternative 13.The1 (drei Punkte) ist ein logischer und direkter Zug, der ein im Sizilianer typisches Opfer vorbereitet. In Chalifman-Swidler, Tilburg 1994, folgte 13.…b4 (provokant; 13.…0–0–0 ist vorsichtiger) 14.Sd5 exd5 15.exd5 Sa7 16.De2 Sc8 17.Sh4 Ta7 18.Lf5 und obwohl der Computer meint, Schwarz sei immer noch okay, so liegen die Dinge in der Praxis natürlich nicht so einfach und in der Partie konnte sich Weiß am Ende durchsetzen.

13.f5 (drei Punkte) ist ziemlich typisch für Stellungen mit dieser Struktur. Der Damenspringer wird oft über e2-f4 auf ein anderes Feld manövriert, um Druck auf den Bauern e6 auszuüben.

13.Sd5 ist ein wenig übertrieben: 13.…exd5 14.exd5 Sd4 und der schwarze König kann in aller Ruhe nach d8 ziehen und aus der Schusslinie gehen.

13.…0–0–0

Weiter geht's in der Ausgabe Januar 2022.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

Leseprobe:

Großmeister Daniel King schreibt in jeder Ausgabe der monatlich erscheinenden Zeitschrift Schach-Magazin 64 eine neue Folge! Eine Leseprobe als PDF-Datei können Sie hier herunterladen: Katalanisch E 06, K. Sauravh (2324) – J. Gustafsson (2647),Pattaya 2011

Sie können jeden Monat eine neue Folge frei Haus bekommen! Tun Sie sich etwas Gutes und bestellen Sie das Abo oder das supergünstige Probeabo (nur 9,90 Euro für 3 Hefte) der beliebten Zeitschrift Schach-Magazin 64 beim Verlag Carl Ed. Schünemann:

- per E-Mail: kontakt@schach-magazin.de
- per Post: Schünemann-Haus, 28174 Bremen

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

Designelement  :: Aktuelles Designelement
  Aktuelles Heft
Aktuelles Heft
Im Heft blättern
 

Designelement  :: Jahrgangsschuber Designelement
  Jahrgangsschuber
Aktuelles Heft
Der Preis pro Stück für 12 Ausgaben – inklusive Porto und Schutz-Verpackung beträgt € 14,90
Bestellungen bitte unter
Tel.: (0421) 36 90 325