Schach Magazin
Test und Training ::

Wie aus dem Lehrbuch: ein Springerpaar im erfolgreichen Einsatz


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

Ich habe mich einmal bei einem Kollegen darüber beklagt, wie mühsam es sei, in so mancher trockener Stellung auf Gewinn zu spielen. Sein weiser Rat: "Setz dich hin und warte darauf, dass etwas Gutes geschieht". Die Rede war vom Sitzfleisch: diese tugendhafte Eigenschaft, die es uns ermöglicht, Probleme durch Beharrlichkeit, Konzentration und Geduld zu überwinden. Tref-fender kann man das Spiel des frischgebackenen Juniorenweltmeisters Parham Maghsoodloo nicht beschreiben. Wie schon in der letzten Ausgabe berichtet, "startete" der junge Mann bei der Junioren-WM mit 9,5 aus 10, erst in der letzten Runde, als sein Turniersieg bereits feststand und die Spannung nachließ, kassierte er eine Niederlage.

Maghsoodloo holt immer das Maximum heraus, aber anders als es Carlsen zu tun pflegt. Das Markenzeichen des Weltmeisters ist das geduldige Anhäufen von kleinen positionellen Vorteilen. Der Iraner holt wiederum unwahrscheinlich viel aus schlechteren Stellungen heraus, die er mit bemerkenswerter Coolness und Findigkeit verteidigt.

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Maghsoodloo-Hakobyan
Stellung nach 23. …f4


Weiß stand unter Druck, ließ sich jedoch nicht entmutigen, setzte mit 24. gxf4 gxf4 25. Kh1 fort und verteidigte sich stark. Nachdem Schwarz den Angriff nicht optimal weiterführte, wendete sich allmählich das Blatt und der 18-jährige Iraner gewann schließlich in 76 Zügen.

Das nächste Beispiel ist noch drastischer:

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Harsha-Maghsoodloo
Stellung nach 37. Lc3


Auch hier stand Maghs einige Zeit unter Druck, sein König wurde zuvor mit Schachgeboten von g8 bis nach d7 getrieben, aber durch genaue Verteidigung hatte er den Sturm überstanden und hier ergriff er endlich seine Chance: 37. …Lh3 führt zwingend zum Matt. Nach 38. Kxh3 Df5+ gab Weiß angesichts von 39. Tg4 Dh5+ 40. Kg3 Tg1 die Partie auf.

Wenn man seine Partien nur flüchtig nachspielt, kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass er das Glück gepachtet hat; doch wenn das bei einem Spieler so oft vorkommt, muss mehr dahinterstecken.

Es gab einige weitere Beispiele für seine hartnäckige Verteidigung, aber Sie konnten sich schon eine Vorstellung machen. Ihn zu besiegen, ist ein mühsames Unterfangen.

Seine gleich vorgestellte Partie ist für sein Spiel nicht ganz so typisch, unter Druck stand er eigentlich nie, aber taktisch geschickt agierte er auch hier.

Sizilianisch B 90
P. Maghsoodloo (2649)
M. Vavulin (2559)
JWM, Manavgat, 2018


1. Sf3 c5 2. e4 d6 3. d4 Sf6 4. Sc3 cxd4 5. Sxd4 a6 6. h3 6. Le3 e6 7. f3 h5 6. …e5 7. Sde2 h5 Eine im Najdorf häufiger vorkommende Idee, die nicht nur nach 6. h3 zu sehen ist, sondern ebenso nach 6. Le3 e6 7. f3 h5 (und ähnlichen Abspielen). Schwarz vermeidet so, dass Weiß den g-Bauern der g3-Variante quasi mit Turbo, also einzügig nach g4 befördern kann. Der Aufbau mit g4 und Sg3 sollte nicht unterschätzt werden. 8. Lg5 Le6 9. Lxf6 Dxf6 10. Sd5 Dd8

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11. Dd3 Drei Punkte. Das hat sich seit einiger Zeit als Hauptfortsetzung herauskristallisiert - nicht ganz unschuldig daran ist wohl auch, dass die meisten Schachengines diesen Zug als besten Zug angeben. Allerdings spielte auch Anand bei einigen Gelegenheiten 11. Dd3 - eine Garantie für Qualität.

Davor wählten Anand und andere 11. Sec3 (drei Punkte) mit der Idee, Lc4 und die kurze Rochade folgen zu lassen, ein sehr gut spielbarer Aufbau. Sehen wir die digitalen Vorgehensweisen nicht zu dogmatisch…

11. a4 (ein Punkt) richtet sich gegen …b5 und bereitet Sec3 vor.

11. g3 kann mich nicht begeistern. Die Entwicklung geht zu langsam voran. Außerdem steht der Läufer nicht gut auf g2, was auch für den Springer auf e2 gilt.

11. …g6 Schwarz kann auch 11. …Sc6 oder 11. …Sd7 spielen. Sehr oft kommen Zugumstellungen vor; in Datenbanken lassen sich jede Menge Partien zu der Stellung finden. Ich würde sagen, Schwarz steht gut, und zwar wegen des Läuferpaares. Aber als eingefleischter Najdorfer bin ich womöglich befangen.

Weiter geht's in der Ausgabe November 2018.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

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Großmeister Daniel King schreibt in jeder Ausgabe der monatlich erscheinenden Zeitschrift Schach-Magazin 64 eine neue Folge! Eine Leseprobe als PDF-Datei können Sie hier herunterladen: Katalanisch E 06, K. Sauravh (2324) – J. Gustafsson (2647),Pattaya 2011

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Obwohl er schon ein gestandener Mann von 68 Jahren war, freute er sich wie ein Kind. Endlich sollte in seiner Heimatstadt Minsk ein Spitzenturnier ausgetragen werden, die Europameisterschaft nämlich, und sie sollte sein schachliches Schwanenlied werden.
 

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