Schach Magazin
Test und Training ::
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

Vor ein paar Monaten habe ich über den Generationenwechsel bei der Olympiade geschrieben, vor allem in Bezug auf den Turnierfavoriten, die Mannschaft der USA. Dieses Team voller Stars strauchelte und mit Ausnahme von Fabiano Caruana hatten die Stars auch bei der US-Meisterschaft zu kämpfen. Wesley So sagte offen, dass er nicht gerne gegen Teenager spielt, obwohl er mit 7/13 immerhin ein positives Ergebnis erzielen konnte. Levon Aronian schnitt deutlich schlechter ab. Nach einem Aufsehen erregenden Verbandswechsel spielt er jetzt nicht mehr für Armenien, sondern für die USA, aber bei der diesjährigen US-Meisterschaft fand der 40-Jährige nicht zu seiner Form und beendete das Turnier mit der enttäuschenden Bilanz von 6/13. Nach der Hälfte des Turniers räumte er ein: „Ich habe meine Gegner unterschätzt und sie haben sehr gut gespielt.“

Wenn solche Spieler die behagliche Atmosphäre der Top-Turniere verlassen, dann stellen sie oft fest, dass auch Leute mit viel niedrigeren Elo-Zahlen keine leichten Gegner mehr sind. Ehrgeizige Spieler können Datenbanken und eine starke Engine nutzen oder die vielen Lernangebote, die es im Internet gibt, und das hat dazu geführt, dass die Lücke zwischen den Generationen kleiner geworden ist. Das gilt vor allem für die Eröffnungsphase der Partie.

In unserer Testpartie verwickelt der 19-jährige Awonder Liang Aronian in eine Diskussion über eine Eröffnungsvariante, die zum ersten Mal vor über 200 Jahren gespielt wurde und in der romantischen Ära des Schachs im 19. Jahrhundert beliebt war. Ich hätte nicht gedacht, dass ich bei der Recherche zu dieser Partie nach meinem Exemplar von Stauntons Chess-Player‘s Handbook greifen würde, dessen Erstauflage aus dem 1847 stammt.

Der prächtige rot-goldene Einband atmet den Geist des viktorianischen Zeitalters, und es war eine Freude, in einem so schönen Buch zielgerichtet zu blättern. Stauntons Analysen waren sehr hilfreich, vor allem zusammen mit einer Überprüfung der Varianten mit einer leistungsstarken Engine.

Tatsächlich war Liangs Eröffnungswahl keine große Überraschung für Aronian: „Ich habe diese Variante mit Weiß im Blitzen schon zig Mal gespielt, 11.…Dd6 anstelle von 11.…Te8 führt zum Remis, aber während der Partie dachte ich, dass ich die Stellung nicht verflachen lassen darf.“

Das ist also die Geschichte: Aronian wollte seinem Gegner nicht erlauben, in einem Endspiel ein einfaches Remis zu machen und versuchte stattdessen, die Partie am Leben zu halten. Aber das hatte fatale Folgen.

Schottisches Gambit C44
Awonder Liang – Levon Aronian
USA-Meisterschaft 2022


1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Lc4 Lc5 4.…Sf6 ist ebenfalls ein vernünftiger Zug, aber Schwarz muss dann mit den Fortsetzungen 5.e5 und 5.0–0 rechnen, die beide kompliziert sind. 5.Sg5 Weniger populär als die Alternativen 5.c3 und 5.0–0, aber wie wir sehen werden, stellt auch diese Fortsetzung Schwarz vor Probleme. Offen gesagt finde ich, dass der Springerzug seltsam aussieht. Ich verstehe natürlich, dass Weiß den f-Bauern ins Visier nimmt, aber den Springer in einer solch scharfen Stellung ein zweites Mal zu ziehen, ist doch sehr provokant. 5.…Sh6 Schwarz deckt den Bauern f7, und vorherigen Partien und aktuellen Maschinen zufolge ist das die stärkste Antwort. Hier beginnt der Test.



6.Sxf7

Drei Punkte. Ein bekanntes taktisches Motiv in vielen offenen Eröffnungen. Die gleiche Punktzahl gibt es für 6.Lxf7+, was mit Zugumstellung zur gleichen Stellung führt.

6.Dh5 sieht stark aus, aber 6.…De7 hält die schwarze Stellung.

6.0–0 (ein Punkt) ist nicht schlecht – der König bringt sich in Sicherheit und dann könnte man behaupten, dass der schwarze Springer auf h6 deplatziert steht.

Weiter geht's in der Ausgabe Dezember 2022.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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