Schach Magazin
Test und Training ::

Carlsens beste Partie beim „Wimbledon des Schachs“


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

Der hart umkämpfte Weltmeisterschaftskampf 2018 gegen Fabiano Caruana hat Magnus Carlsen Dividenden eingebracht: Befeuert durch die umfassende Eröffnungsvorbereitung auf den Wettkampf war 2019 eines der erfolgreichsten Jahre des Weltmeisters. Zum Beispiel erwies sich der Sweschnikow-Sizilianer, mit dem er Caruana überrascht hatte, als eine mächtige Waffe in Carlsens Turnieren, und er hat damit eine Reihe starker Gegner zur Strecke gebracht. Im Kontext des Sweschnikow-Sizilianers testete Carlsen in seiner Partie gegen Giri in Zagreb 2019 auch eine komplizierte Variante gegen die Rossolimo-Variante (1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3. Lb5 e6) – und gewann in nur 23 Zügen.

2022 könnten wir durchaus etwas Ähnliches sehen, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich der Weltmeister das erklärte Ziel gesetzt hat, die überirdisch hohe Elo-Zahl von 2900 zu erreichen und welche Konzentration dieses Ziel verlangt. Carlsen gewann das traditionsreiche Tata Steel Turnier in Wijk aan Zee mit überzeugenden 9,5/13, und die Eröffnung, die sich dabei als die erfolgreichste erwies, war Katalanisch – eine von Carlsens Waffen mit Weiß im Weltmeisterschaftskampf gegen Nepomniachtchi. In Wijk gewann Carlsen gegen Giri, Rapport und Mamedyarov, indem er komplexe Stellungen herbeiführte – genau, wie er sie gegen Nepomniachtchi hatte (zumindest in Partie 2). Das steht im starken Gegensatz zu der Art und Weise, wie Katalanisch in den 1970er und 1980ern gespielt wurde, als Karpov und Andersson ihre Gegner in trockenen Endspielen massierten.

In der in Runde 2 in Wijk gespielten Partie Carlsen-Giri geschah 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.g3 Le7 5.Lg2 0-0 6.0-0 dxc4 7.Sa3 (eine alte Idee, die keinen besonders guten Ruf genießt, aber Schwarz zwingt, die Stellung ins Ungleichgewicht zu bringen) 7.…Lxa3 8.bxa3 Ld7 9.a4.



Ein ungewöhnlicher Zug. Weiß hat eine schlechte Bauernstruktur, aber das weiße Läuferpaar hat Potenzial. Giri verlor in den Komplikationen den Überblick und Carlsen zertrümmerte ihn mit einem wunderschönen Qualitätsopfer.

Carlsen-Rapport in Runde sechs begann mit 1.Sf3 d5 2.d4 Sf6 3.c4 e6 4.g3 dxc4 5.Lg2 Sc6 6.0-0 Tb8 7.Le3. Wieder ein selten gespielter, kaum getesteter Zug, der sich von den üblichen Fortsetzungen unterscheidet. Diese Partie war nicht so spektakulär, aber immer noch hochkomplex und Carlsen manövrierte sich beharrlich zum Sieg.

Ein Aspekt dieser Partien fällt besonders ins Auge. Während der Kampf ums Zentrum und um den Damenflügel tobt, kommt es nur selten vor, dass der weiße König, der hinter dem Fianchetto-Läufer, Springer und Bauern gut verschanzt ist, jemals in Gefahr gerät.

Wir schauen uns die dritte dieser Katalanisch-Partien in Wijk an, und dieses Mal war Carlsens Gegner Shakhriyar Mamedyarov, der in Wijk ein ausgezeichnetes Turnier gespielt hat, aber hier wirklich und wahrhaftig seinen Meister fand. Einmal mehr ist die Partie kompliziert, voller Opfer, präziser Stellungseinschätzungen und genauer Berechnungen. Machen Sie sich bereit.

Katalanisch E 04
Magnus Carlsen
Shakhriyar Mamedyarov
84. Tata Steel Masters 2022


1.d4 Sf6 2.Sf3 d5 3.c4 e6 4.g3 dxc4 5.Lg2 Lb4+ 6.Ld2 a5 7.0–0 Mamedyarov bleibt sich treu und entscheidet sich für eine verwickelte und komplexe Variante des Katalanen. Carlsen spielt den „normalsten“ Zug, aber vielleicht erinnern Sie sich an eine spektakuläre Partie aus dem Weltmeisterschaftskampf 2010, die einen anderen Verlauf nahm: 7.Dc2 Lxd2+ 8.Dxd2 c6 9.a4 b5 10.Sa3 Ld7 11.Se5 1:0/32., Anand -Topalov, Sofia 2010. 7.…0–0 Hier beginnt der Test. z f3 d5 3.c4 e6 4.g3 dxc4 5.Lg2 Lb4+ 6.Ld2 a5 7.0–0 Mamedyarov bleibt sich treu und entscheidet sich für eine verwickelte und komplexe Variante des Katalanen. Carlsen spielt den „normalsten“ Zug, aber vielleicht erinnern Sie sich an eine spektakuläre Partie aus dem Weltmeisterschaftskampf 2010, die einen anderen Verlauf nahm: 7.Dc2 Lxd2+ 8.Dxd2 c6 9.a4 b5 10.Sa3 Ld7 11.Se5 1:0/32., Anand - Topalov, Sofia 2010. 7.…0–0 Hier beginnt der Test:



8.e3

Drei Punkte. Dieser Zug ist ein wenig ungewöhnlich. Weiß versucht nicht, den Bauern auf c4 sofort zurückzugewinnen, sondern deckt den d-Bauern. Der Textzug erlaubt dem Springer, nach e5 zu gehen (unter den richtigen Umständen) und erlaubt der Dame, nach e2 zu ziehen. Der Zug wurde von dem russischen Großmeister Maxim Matlakow populär gemacht. Was übrigens der Auffassung widerspricht, dass Schachprofis sich sklavisch an Computerempfehlungen halten: Wenn Sie einen leistungsstarken Computer anschalten, dann wird 8.e3 als dritt- oder viertbester Zug vorgeschlagen (je nachdem, wie lange Sie das Orakel laufen lassen), aber tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den möglichen Zügen in dieser Stellung sehr gering. Bei seiner Vorbereitung versucht Carlsen zusammen mit seinem Team Stellungen zu bekommen, die einfach unbequem für Schwarz sind, und in der die besten Züge nicht auf der Hand liegen (zumindest nicht für einen Menschen).

Weiter geht's in der Ausgabe April 2022.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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