Schach Magazin
Ausgabe 7 mit diesen zentralen Themen ::

Zur Vorgeschicht einer Premiere






Da die Veranstaltung von den norwegischen Medien im Fernsehen, im Internet und in den Zeitungen ausführlich begleitet wurde, war der Andrang der Zuschauer vor Ort meist überschaubar. Im Vergleich zum Turnier im Jahre 2018 hatten sich die Zuschauerzahlen des Fernsehsenders TV2 fast verdoppelt. Dabei war es sicher hilfreich, dass Carlsen an der Spitze der Tabelle lag und mehrere Armageddon-Zweikämpfe spielen musste. Nach acht Runden stand Carlsen eine Runde vor Schluss als Turniersieger fest und gewann das Turnier trotz eines Ausrutschers in der letzten Runde gegen Caruana am Ende mit drei Punkten Vorsprung.

Foto: Lennart Ootes





In den ersten Jahren des Norway Chess Turniers, das 2013 zum ersten Mal ausgetragen wurde, schienen die Organisatoren damit zufrieden zu sein, den Versuch zu unternehmen, inmitten der Fjorde von Stavanger das stärkste Turnier der Welt mit klassischer Bedenkzeit auszurichten.

Das Timing war perfekt für Norwegen, dem Land, das gerade ‚Slow TV' erfunden hatte - wo stundenlang nichts anderes gezeigt wird als eine Eisenbahnfahrt, um nur ein Beispiel zu nennen - und Norway Chess lieferte stundenlanges langsames Fernsehen, wurde zur besten Sendezeit ausgestrahlt und erzielte hohe Einschaltquoten.

Der Erfolg des Turniers führte zu neuen Veranstaltungen in Stavanger, vor allem dem Norway Summit, der unmittelbar vor dem Norway Chess Turnier stattfindet, und das Ziel hat, Unternehmensführer, Politiker und Theoretiker zusammenzubringen, um über Chancen und Probleme des technischen Fortschritts zu diskutieren.

Doch im Laufe der Jahre, die seit 2013 ins Land gegangen sind, und in denen Lokalmatador Magnus Carlsen Norway Chess nur ein einziges Mal gewinnen konnte und die Zahl der Remispartien im Turnier immer weiter zunahm, suchten die Turnierorganisatoren nach neuen Wegen, um ihr Turnier noch spannender für das einheimische Publikum zu machen, das zahlenmäßig zwar immer noch beeindruckend war, aber nicht größer wurde.

2019 beschloss Norway Chess, ein 2-1/2-0 Punktesystem einzuführen, in dem Remispartien zu einer Armageddon-Partie führen, in der Weiß 10 Minuten und Schwarz 7 Minuten hat, aber Weiß gewinnen muss, wobei der Sieger dieser Armageddon-Partie einen zusätzlichen Punkt erhält. Zeitzuschlag gab es erst nach 60 Zügen.

[…]

Wie er bei den beiden letzten Weltmeisterschaftskämpfen gezeigt hat, ist Carlsen in beinahe jeder Kombination von klassischem und schnellem Schach einfach zu gut für seine Gegner - und 2019 in jedem Modus fast immer zu gut. Bei dem neuen hybriden Format, in dem das Norway Chess Turnier gespielt wurde, hat er verdient gewonnen.

Grünfeldindisch D 85
M. Carlsen - A. Grischuk
3. Runde


1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 d5 4. cxd5 Sxd5 5. e4 Sxc3 6. bxc3 Lg7 7. Le3 c5 8. Tc1 Da5 9. Dd2 0-0 10. Sf3 Diese supersolide Variante spielte Karpow bereits einige Monate vor Carlsens Geburt. In seinem WM-Match gegen Kasparow wurde zweimal …e6 geprüft. In der vorliegenden Partie schlägt Grischuk eine schärfere Gangart ein. 10. …Lg4 11. d5 b5!? mit der Idee 12. Lxc5 Lxf3 13. gxf3 Tc8 14. Ld4 (14. Lb4 Dc7 nebst …a5) 14. …Lxd4 15. Dxd4 Dxa2 mit unklarem Spiel. Carlsen entschied sich für 12. Le2 Sd7 13. 0-0 Lxf3?! "Das hat mich überrascht", kommentierte CarIsen. "Es ist klar, dass er …c4 anstrebt ohne Sd4 zuzulassen, aber der Abtausch auf f3 ist riskant." Wenn Schwarz schon auf f3 tauschen will, sollte er dies erst tun, wenn Weiß h2-h3 gezogen hat, dies spart Schwarz ein Tempo. 14. Lxf3 c4 15. Le2



Nach der Partie wurde die Idee 15. …Da3! 16. f4 Sc5 17. e5 Tad8 18. Lf3 f6! mit Gegenspiel gefunden. 15. …Tfd8?! kostet erneut wertvolle Zeit, wie sich bald herausstellen wird. 16. f4 Was es mit dem erwähnten Zeitverlust auf sich hat, erklärt die Variante 16. …Da3 17. e5 Sc5 18. Lf3 f6 (soweit wie oben angegeben) 19. d6! Tac8 20. Ld5+! e6 21. Lxe6+! Sxe6 22. Dd5 mit Gewinn. Also stellte Grischuk sich um und versuchte, ein Gegenspiel gegen d5 aufzubauen, hatte aber damit kein Glück. 16. …Sb6 17. Lf3 Da3 Auf 17. …e6 kann Weiß chancenreich einen Bauern opfern: 18. Df2! exd5 19. e5! gefolgt von Ld4 nebst g2-g4 und f4-f5. 18. h4! Die Eröffnung ist nicht gut für Schwarz verlaufen, ohne Not hat er dem Gegner das Läuferpaar und ein bewegliches Bauernzentrum überlassen. Mit 18. …b4 19. cxb4 c3 20. Df2 Dxb4 hätte Schwarz den Schaden begrenzen können. Er versuchte 18. …e6?! aber Weiß kam als Erster zu aktiven Handlungen. 19. h5! mit der bereits erwähnten Idee 19. …exd5 20. e5. 19. …Sa4 20. hxg6 hxg6 21. f5!



Zwei schwarze Figuren haben sich auf der a-Linie verlaufen, die Musik spielt am Königsflügel.

Weiter geht es im Juliheft.

Auszug aus
"Carlsens Schnelligkeit gewinnt das 7. Norway Chess Turnier | Ding ist in den klassischen Partien gleichauf mit Carlsen, wird aber nur Sechster"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juli 2019

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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