Schach Magazin
Ausgabe 11 mit diesen zentralen Themen ::

Das größte Schachfest der Welt






Zum zweiten Mal nach dem Sieg 2014 holte das chinesische Team die Goldmedaille. (V.l.) Wei Yi, Ding Liren, Yu Yangyi, Xu Jun, Ye Rongguang, Bu Xiangzhi, Li Chao.

Foto: Cathy Rogers



Um die Ausrichtung dieser Olympiade hat sich der georgische Schachbund sehr bemüht. In diesem Jahr jährt sich nämlich der Gründungstag der Demokratischen Republik Georgien zum 100. Mal. Dies ist zwar auch bei anderen Ländern der Fall, denn nach dem Ende des 1. Weltkriegs anno 1918 hat sich die politische Karte sehr verändert, doch den meisten neu entstandenen oder wieder entstandenen Staaten war eine längere Existenz beschieden, anders in Georgien: Von der Gründung am 26. Mai 1918 bis zur Invasion der Roten Armee Anfang 1921 vergingen nicht ganz drei Jahre. Fortan war Georgien eine der sowjetischen Republiken und konnte erst am 9. April 1991 wieder die Unabhängigkeit erlangen. Die Loslösung war ein komplizierter und langwieriger Prozess, wohl auch deshalb blieb der 26. Mai der Nationalfeiertag.

Die Entscheidung über den Austragungsort der Schacholympiade 2018 war wie üblich vier Jahre zuvor bei der vorletzten Olympiade gefallen. Mit Südafrika gab es damals einen nicht zu unterschätzenden Mitbewerber, letzten Endes aber konnten die Kaukasier die Mehrheit der Kongressdelegierten mit der Präsentation ihres Konzepts überzeugen. Zu den besten Argumenten gehörte das glaubhafte (und eingehaltene!) Versprechen, speziell für die Olympiade einen Sportpalast zu bauen, in dem die Schacholympiade als erste Sportveranstaltung ausgetragen werden würde; erst danach würden andere Sportveranstaltungen bzw. Sportarten zum Zuge kommen; das gefiel.

[…]

Offene Klasse

Favorisiert waren natürlich die "üblichen Verdächtigen", sprich Teams mit dem besten Elo-Durchschnitt ihrer Mitglieder. Beim Blick auf die Tabelle (siehe nächste Seite) überrascht nicht, dass die drei nominell stärksten Mannschaften (USA, Russland, China) auch die drei Medaillen gewannen, allerdings nicht in der zu erwartenden Reihenfolge. Bei den drei Punktgleichen (je 18:4) entschied die Wertung: 1. China. 2.USA, 3.Russland.

Was man dabei nicht sieht, ist dass diese Olympiade gerade für die Favoriten ein sehr holpriges Vergnügen war. Nach drei Runden hatten noch 18 Teams eine weiße Weste, nach Runde vier noch neun, wobei die Russen nicht mehr dabei waren. In Runde fünf erwischte es auch USA und China, nach sechs Runden führten die Polen und Aseri mit je 12:0 die Tabelle an.

[…]

Sonderpreise

Als der beste Spieler der ganzen Olympiade wurde Jorge Cori mit einem Extrapreis geehrt. Der Peruaner mit Elo 2664 erzielte am dritten Brett 7,5 Punkte aus 8 Runden bei gutem Gegnerschnitt und erreichte eine Leistungszahl von 2925. Mit 5,5 aus 8 bzw. 7 aus 10, jeweils am ersten Brett, folgten mit ihren Leistungszahlen 2873 bzw. 2859 die Weltklassespieler Ding Liren bzw. Fabiano Caruana auf den Medaillenplätzen in dieser Sonderwertung.

Cori verdankt den Preis seiner unglaublich hohen Gewinnquote. Es trifft zwar zu, dass er im Gegensatz zu Ding Liren und Caruana nicht am ersten sondern am dritten Brett spielte und seine Gegner im Schnitt nicht ganz so stark wie bei den vorgenannten Superstars waren, aber keineswegs von Pappe. Drei gestandene Großmeister mit Elo im Schnitt um 2500 waren dabei und zwei weltbekannte Spieler: Nepomniachtchi und Wei Yi. Gegen den ersteren remisierte Cori, den zweiten besiegte er!



J. Cori (PER, 2664)
Wei Yi (CHN, 2742)
Stellung nach 31.Tbe1


Die Chancen sind verteilt. Ein naheliegender Zug wie 31. …Db6 war angezeigt. Wei Yi sah offenbar seine Chancen eher am Königsflügel und hatte sich dabei ganz schön verrechnet: 31. …Dc8?! 32. Ld6 Td8 33. Lc5 droht Lb6 33. …Dc7 34. f4! Die Dame c7 und der Td8 haben sich vom Hauptkampfplatz entfernt und ermöglichen die Öffnung des Königsflügel. Nach 34. …gxf4 35. Txf4 gewinnt Weiß den Bauern f5 oder noch mehr im Falle von 35. …fxg4? 36. Lh7+ nebst Txf7 +-. 34. …fxg4 35. fxg5



35. …Le6?! Relativ besser ist 35. …gxh3 36. De2 Dg3 37. Tg1 Dh4 38. gxh6 Dxh6 39. Tg6 Dh4. So kommt wenigstens die schwarze Dame aus ihrem Exil zurück. 36. gxh6 Lxh6 37. hxg4 De5 38. Txf7 Lxf7? 38. …Kxf7 sollte geschehen, Nach der Partiefortsetzung kollabiert die schwarze Stellung schnell. 39. g5 Lf8 40. Ld4 De6 41. Dh2 – 1:0
Es droht Dh8 matt und nach 41. …Lg7 gewinnt 42. Dh7+

Weiter geht es im Novemberheft.

Auszug aus
"Das größte Schachfest der Welt | Schacholympiade mit Rekordbeteiligung von 180 Ländern"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, November 2018

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Unbändiger Vorwärtsdrang

Obwohl er schon ein gestandener Mann von 68 Jahren war, freute er sich wie ein Kind. Endlich sollte in seiner Heimatstadt Minsk ein Spitzenturnier ausgetragen werden, die Europameisterschaft nämlich, und sie sollte sein schachliches Schwanenlied werden.
 

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