Schach Magazin

Ausgabe 12 mit diesen zentralen Themen ::

Riga: Kronprinz Alireza Firouzja gewinnt Grand Swiss





Foto: fide / Mark Livshitz

Die Siegerehrungen der Damen und der offenen Klasse, v. l. FIDE-Präsident Arkadi Dworkowitsch, Zhu Jiner, Lei Tingjie, Elisabeth Pähtz, Alireza Firouzja, Fabiano Caruana und Grigori Oparin.

2018 hatte der bosnisch-niederländische Großmeister Ivan Sokolov gerade eine zweijährige Tätigkeit als Trainer der iranischen Nationalmannschaft beendet. Er hatte den Iran mit einer Teenager-Mannschaft zum Gewinn des Asian Nations Cup geführt, und es gab einen Spieler, der ihm dabei als besonders großes Talent ins Auge fiel: der damals 15-jährige Alireza Firouzja.

„Firouzja hat unglaubliche Ähnlichkeit mit Ex-Weltmeister Viswanathan Anand; er denkt extrem schnell“, meinte Sokolov. „Ich habe dem Iranischen Schachverband gesagt, dass er sein Potenzial, Weltmeister zu werden, nicht verwirklichen kann, wenn sie diesen Moment verstreichen lassen, aber es gibt ein paar praktische Hindernisse, z.B. den Umtausch von Rial in Dollar.“ Ein Jahr später versuchte Firouzja, einige dieser Hindernisse zu überwinden, indem er nach Frankreich zog, in das Land, für das er jetzt spielt. Im November erfüllte er dann, inzwischen 18 Jahre alt, einen Teil von Sokolovs Prophezeiung – mit seinem Sieg beim FIDE Chess.com Grand Swiss in Riga qualifizierte er sich für das Kandidatenturnier.

Die französische Nummer eins führte bei dem Turnier von Beginn an und konnte seinen Vorsprung in dem 108 Teilnehmer großen Feld noch weiter ausbauen, bevor er in der neunten Runde vom topgesetzten Fabiano Caruana geschlagen wurde. Aber Firouzjas Sieg gegen den Engländer David Howell in der Vorschlussrunde reichte ihm, um die alleinige Führung zurückzuerobern, die er dann in einer Schlussrunde voller Remispartien auch verteidigte. „Das ist phantastisch!“, meinte Firouzja nach seiner letzten Partie, die ihn 70000 US-Dollar reicher machte und ihn auf Platz fünf der Weltrangliste hievte. „Als ich hierher kam, dachte ich, ich hätte nur sehr wenig Chancen, weil die Spieler hier über sehr viel Erfahrung verfügen.“

[…]

In der neunten Runde verlor Firouzja seine erste und einzige Partie in diesem Turnier. Alles schien wieder offen.

Caro-Kann B 12
F.Caruana – A.Firouzja
Grand Swiss (9), 05.11.2021


1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.h4 h5 5.Ld3 Lxd3 6.Dxd3 Da5+ 7.Sd2 e6 8.Se2 Se7 9.b4 Eine seltene Variante, mit der Idee 9.…Dxb4 10.Tb1 Da4 11.Txb7. 9.…Da6 10.Db3 Sf5 11.Sf3 Sd7 12.a4 Dc4 13.Ld2 Dxb3 14.cxb3 f6 15.0–0 Le7 16.g3 Kf7 17.Tfe1 fxe5 18.dxe5 Tac8 19.Sf4 Firouzja missfiel seine etwas gedrückte Stellung und er versuchte sich zu befreien mit 19.…d4 20.Tac1 c5, worauf der Weltranglistenzweite 21.Sd5! entkorkte. Danach wäre 21.…exd5? fast schon ein Verlustzug wegen 22.e6+ Ke8 23.exd7+ Kxd7 24.Se5+. Deshalb geschah 21.…cxb4 22.Sxe7 Sxe7 und nun hätte 23.Lxb4 Sc6 24.Ld6 Weiß einen Vorteil gesichert. Caruana spielte jedoch 23.Sg5+?! Kg6 24.Txc8 Txc8 25.Sxe6 Sc6 26.f4 was zunächst für Weiß gut aussieht, in Wirklichkeit jedoch die aktive Verteidigung 26.…Kf5! 27.Sxg7+ Kg6! 28.Se6 Kf5 ermöglicht. Es folgte 29.Sg5 Sc5 30.Sf7 Ke6! 31.Sd6 Tg8 32.Kg2 Kd5 33.Tb1



Weiß hat zwei Freibauern, kann sie jedoch nicht wirkungsvoll genug einsetzen. Der schwarze König leistet viel, nur hätte nun 33.…b6!! folgen sollen, was die schwarze Stellung bedeutend stabilisiert. Doch noch kann Firouzja „nicht über Wasser laufen und solche Stellungen wie Petrosjan spielen“, hieß es in einem Kommentar (dreimal darf man raten, aus welchem Kaukasischen Land dieser Tweet gekommen ist …). Es geschah 33.…Se4?! und die stolze schwarze Festung begann kaum spürbar zu zittern.

Weiter geht es im Dezember Heft
 
 
Auszug aus
"Kronprinz Alireza Firouzja gewinnt Grand Swiss | Lei Tingjie dominiert den Grand Swiss der Frauen"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Dezember 2021

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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