Schach Magazin
Ausgabe 9 mit diesen zentralen Themen ::

Biel: Vidit triumphiert beim Biel Triathlon






Die drei Ersten des Gesamtklassements (v. l.): Sam Shankland, Santosh Gujrathi Vidit und Peter Leko.

Foto: bielchessfestival.ch/Simon Bohnenblust





Seit mehr als 50 Jahren ist das Biel Schachfestival ein fester Bestandteil des internationalen Turnierkalenders, es findet immer in der zweiten Julihälfte statt und war vor allem in der letzten Dekade ein Treffpunkt der besten Spieler der Welt: So illustre Namen wie Carlsen, Caruana, Vachier-Lagrave und Mamedyarov sind auf der Siegerliste aufgeführt.

Doch in diesem Jahr sahen sich die Ausrichter noch nie da gewesenen Hindernissen gegenüber. Zu Beginn des Jahres kündigten die Organisatoren der Grand Chess Tour an, dass die Termine des Pariser Schnell- und Blitzturniers und des Bieler Turniers kollidieren. Und im Mai gab die FIDE die Termine für die Grand Prix Serie - wo sich Spieler für das Kandidatenturnier qualifizieren können - bekannt, woraufhin sich einige Topspieler entschlossen, den Bielern eine Absage zu erteilen, weil sie lieber beim Riga GP-Event spielen wollten. Und zu guter Letzt fand justament in diesem Zeitraum ein mit 250 000 USD dotiertes Open in China statt, und damit hatten schließlich die ersten dreißig Spieler der Weltrangliste mitten im Sommer andere Pläne.

Not macht bekanntlich erfinderisch, und die Bieler veränderten kurzerhand das Konzept: Zentraler Bestandteil des Festivals wurde ein Turnier der weltbesten jungen Talente, quasi als Kristallisationspunkt diente der Senior der Veranstaltung, der ungarische Großmeister Peter Leko, ein Dutzend Jahre älter als der nächst ältere Spieler des Feldes. Außerdem experimentierte man mit dem Format: Angesetzt waren sieben Partien mit klassischer Turnierbedenkzeit, sieben Schnell- und 14 Blitzpartien, ein volles Programm bei 10 Tagen Turnierdauer.

Überzeugender Sieger des Biel GM Classic 2019 war Vidit Gujrathi, er gewann den Blitzentscheid und das klassische Turnier, im Rapid teilte er mit Maghsoodloo den dritten/vierten Rang. Der 24-Jährige, Nummer drei der indischen Rangliste, dominierte den nach klassischer Bedenkzeit gespielten Bereich und hatte am Ende eineinhalb Punkte Vorsprung vor dem zweitplatzierten Nodirbek Abdusattorov. In der Vorschlussrunde gab er gegen den 14-jährigen Usbeken in einem besser stehenden Endspiel Remis, um den Turniersieg sicher zu stellen. (Auch Carlsen hat das schon gemacht, betonte er im Interview s.u.)

Die Nummer eins nach Elo, Sam Shankland galt insbesondere nach seinen zwei zweiten Plätzen beim Rapid und beim Blitz als Favorit, doch ein Verlust in der fünften Runde des klassischen Turniers gegen den Peruaner Jorge Cori, der am Schlusstag des GM-Turniers seinen 24. Geburtstag feierte, machte alle Chancen des Amerikaners, Vidit noch einzuholen, zunichte. […]

Als beste Partie des Turniers wurde die folgende ausgewählt.

Damengambit D 15
S. Vidit - S. Bogner
GM-Turnier, 5. Runde


1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 a6!? 5. e3 Lf5 6. Sh4 Lg4 7. Dc2 e6 8. h3 Lh5 9. g4 Schwarz spielt meistens …Lg6. Es geschah jedoch 9. …Sfd7 "Das ist sehr riskant, aber ich habe mir die Variante vor der Partie schon angeschaut", erzählte Bogner. In der Turnierpraxis wurden die Rückzüge des angegriffenen Sh4 nach g2 und f3 geprüft. 10. gxh5! ist laut Vidit ein Konzept neueren Datums. Weiß gibt einen Bauern für die Initiative und dauerhafte Herrschaft über die weißen Felder. 10. …Dxh4 11. Ld2 dxc4 12. Lxc4 c5 In einer Partie zwischen dem Ungarn Benjamin Gledura und der Deutschen Elisabeth Pähtz (Wijk aan Zee 2019) geschah 12. …Dxh5 13. Le2 Dh4 14. 0-0-0, und in der Folge setzte sich Weiß überzeugend durch. 13. 0-0-0 Sc6 14. Thg1! Weiß bietet vier (!) Bauern zum Schlagen an. Laut Bogner ist allein 14. …cxd4 spielbar ("alles andere ist furchtbar für Schwarz"). Besonders unangenehm wäre dann der Vorstoß d4-d5. 15. exd4 Dxd4 16. Se4 "Ich kann mich vage erinnern, dass Se4 als ein guter Zug angegeben wurde. Ich erwog auch 16. Le3!? Dxc4 17. Tg4! Sb4! 18. Txc4 Sxc2 19. Kxc2 mit einiger Initiative", Vidit). 16. …Sc5



Von Bogner sehr schnell gespielt, was darauf hindeutet, dass er sich immer noch auf bekanntem Terrain befand. "Ungefähr hier war ich mit meiner Vorbereitung nicht ganz glücklich" (Vidit).

Weiter geht es im Septemberheft.

Auszug aus
"Vidit triumphiert beim Biel Triathlon"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, September 2019

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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