Lärmschutzanlagen - best practice in Europe - (Pilotstudie)

 

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F. Huber, Kr. Brosch, St. Bremer, H. Sander, M. Derneden, J. Stachowitz

Lärmschutzanlagen - best practice in Europe - (Pilotstudie)

ISBN: 978-3-95606-012-0   |   Erscheinungsjahr: 2013    |    Auflage: 1
Seitenzahl: 60   |    Einband: Broschur    |    Gewicht: 198 g
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Die Toleranz gegenüber Lärm und anderen Umweltbeeinträchtigungen nimmt insbesondere auch auf Grund der nachgewiesenen Gesundheitsschäden und Leistungsbeeinträchtigungen des Menschen ab. Das hat unter anderem zur Folge, dass die Dimension der Lärmschutzanlagen aufgrund gestiegener Schutzanforderungen massiv zunehmen muss. Lärmschutzanlagen werden einerseits zum Schutz der Anwohner, der Städte und der Landschaft gebaut, andererseits schneiden sie Sichtbeziehungen ab, verschatten Gebäude, bilden Barrieren und die Architektur der Anlagen - vor allem die absorbierenden Materialien - wird als optische Beeinträchtigung empfunden.
Allein durch das prognostizierte Bauvolumen in den nächsten Jahren - vor allem aber durch den zuneh-menden Widerstand der Bevölkerung - wird es immer dringender, die äußere Gestaltung und Raumwir-kung beim Bau und Ausbau von Lärmschutzbauwerken zu bedenken.
Das betrifft die Architektur der Anlagen, den städtebaulichen Nutzen und die Funktion im Gefüge der Stadt sowie die Einbindung in die Landschaft. Hinzu kommen technische Inno¬va¬tionen, die derzeit geprüft und erprobt werden, wie z.B. Feinstaubfilterung durch Beschichtungen. Eine Überprüfung und Reform der Baupraxis kann hier wesentlich zu einer Optimierung der Bauergebnisse führen.
Diese Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung dient dazu die nationalen und internationalen Erkenntnisse in einer Beispiel- und Materialsammlung zur baukulturell tragfähigen Gestaltung von Lärmschutzanlagen zusammenzutragen. Sie ist die Grundlage für die Ent-wicklung einer Leistungsbeschreibung zu einem anschließenden Forschungsprojekt und soll einen Über-blick über das Thema durch die Auswertung gelungener Projekte aus Europa (Best Practice) bieten.
Dazu werden Fachleute aus Planung, Wissenschaft und Praxis in die Arbeit an der Vorstudie eingebun-den. In einem eintägigen Werkstattgespräch wurden Thesen überprüft und ergänzt. Vor allem aber wurden die Experten beratend hinzugezogen, um die wesentlichen Aufgabenfelder und Ziele des For-schungsvorhabens fundiert beschreiben zu können.
Gestaltung von Lärmschutzeinrichtungen bedeutet in der Regel die Berücksichtigung der optischen Wir-kung auf der Straßenseite. Das hat zur Folge, dass besonders im städtischen Umfeld die Rückseiten oft als unattraktive Barrieren wahrgenommen werden, in denen kaum hochwertige Nutzungen entstehen. Insbesondere in Räumen mit geringem Flächenangebot steigt das Bedürfnis Lärmschutzeinrichtungen in andere Nutzungen zu integrieren oder um zusätzliche Nutzungen zu ergänzen, um Attraktivitätsverluste im angrenzenden Raum zu vermeiden.
Der Lärmschutz an übergeordneten Straßen ist Aufgabe der Straßenbaulastträger, die damit für die Ge-staltung verantwortlich sind. Deren Hauptaufgabe ist jedoch Straßenbau und  unterhaltung, so dass die Gestaltung von Lärmschutzanlagen (z. B. Städtebauliche Integration) hier kaum Priorität genießt. Das Interesse der Städte an einer Einflussnahme ist gering, da sie neben einer möglichen Kostenbeteiligung auch den personellen Aufwand, den die Beteiligung am Gestaltungsprozess bedeuten kann, mittlerweile in vielen Fällen nicht mehr darstellen können. Deshalb werden Planungswerkzeuge benötigt, welche die Interessen von Baulastträgern, Städten und Anliegern einbinden und so die Grundlage für hochwertige Gestaltung schaffen.
Beispiele zeigen, dass hochwertige Lösungen im Lärmschutz entstehen, wenn besondere Nutzungen, landschafts- oder stadträumliche Qualitäten zu entwickeln oder zu schützen sind. Diese Qualitäten müs-sen dafür zunächst auch von allen Beteiligten erkannt und geschätzt werden, so dass sie hier Engage-ment und Bereitschaft zur Zusammenarbeit entwickeln. Fehlt diese Wertschätzung kann die Diskussion und die Zusammenarbeit beispielsweise durch ein Sonderereignis (vgl. IBA Emscher oder Essen – Kul-turhauptstadt 2010) in Gang gebracht werden. Eine ähnliche Wirkung erreicht auch ein Handlungs-/Zuschussprogramm, das mit finanziellen Mitteln ausgestattet ist (vgl. München mittlerer Ring). Wichtig ist hier, nicht auf Einzelmaßnahmen zu setzen, sondern ein zusammenhängendes Konzept zu verfolgen und dies auch mit den Beteiligten zu entwickeln und umzusetzen.
Der aktive Lärmschutz als Aufgabe des Straßenbaulastträgers ist im Prinzip gute, erprobte Praxis. Viele Spielräume bietet der passive Lärmschutz. Hier fehlt es den Investoren an nachahmenswerten, allgemein bekannten Beispielen, so dass ihnen oftmals die Chancen und Qualitäten eines passiven Lärmschutzes gar nicht bekannt sind. Der Bedarf nach der Sichtbarkeit von Unternehmen und Stadträumen von der Autobahn aus nimmt zu. Allerdings erschweren Rahmenbedingungen, wie die Anbauverbotszone oder die fehlende Bereitschaft der Straßenbaulastträger, beispielsweise Werbung in gelenktem Maß auf Lärm-schutzeinrichtungen (Stichwort Sponsoring) zuzulassen, innovative Lösungen.
Auch, Bau- und Zeitpläne der Investoren und die Planungen Straßenbau so zu koordinieren, dass der Lärmschutz tatsächlich wirksam wird, wenn er rechtlich erforderlich und praktisch benötigt wird, ist insbe-sondere beim passiven Lärmschutz oft schwierig.
Deshalb ist es wichtig, das Bewusstsein für die Chancen und Potentiale guter Lösungen im Lärmschutz zu schärfen und Prozesse in Gang zu setzen, die innovativen Lärmschutz zum Ergebnis haben. Außerdem sind die rechtlichen, vertraglichen und planungstechnischen Rahmenbedingungen zu überprüfen und gegebenenfalls entsprechend anzupassen.
Gute, übertragbare Beispiele gibt es eher selten. Dagegen finden sich viele auffällige Beispiele, die unter besonderen Voraussetzungen entstanden und eher wenig zur Allgemeingültigkeit geeignet sind.
Auch im Ausland gibt es eine Vielfalt von interessanten Lösungen; hier müssen die unterschiedlichen rechtlichen und planungstechnischen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Ziel sollte es deshalb sein, Rahmenbedingungen und Planungsprozesse zu schaffen, unter denen sowohl Leuchtturmprojekte, als auch allgemeintaugliche hochwertige Gestaltungslösungen entstehen können.
Dass eine multifunktionale Nutzung von Lärmschutzanalgen flächendeckende Praxis werden könnte, zeichnet sich bisher nicht ab. Falls doch, steht die Entwicklung hier erst am Anfang.

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