Schach Magazin
Eine Frau, ein Wort ::

Mit der Redensart "Ein Mann, ein Wort" wird traditionell die Vertrags- und Bündnistreue verbunden. Eine Meldung aus Peking und Sotschi veranlasst jedoch die gewählte Überschrift.

Die Frau heißt Hou Yifan und war bis zum 16. März dieses Jahres Weltmeisterin. An jenem Tag trat sie zu Titelverteidigung nicht an, den WM-Titel wird die Siegerin der Frauen-WM - die beim Redaktionsschluss noch nicht entschieden war - tragen. Ein Verzicht auf die Titelverteidigung ist bei Weltmeisterinnen schon vorgekommen: 1999 wollte Susan Polgar kurz nach der Geburt ihres Kindes nicht antreten und beantragte eine Terminverschiebung, die vom Weltschachbund abgelehnt wurde. Polgar trat dann nicht an und verlor den Titel; später bekam sie von einem Gericht einen Schadensersatz zugesprochen.

Hou Yifan ist kinderlos, bei ihr war eine gegebene Turnierzusage der Grund für die WM-Absage. Hou wurde vor Monaten zu einem Turnier auf Hawaii eingeladen und sagte zu, denn im März 2015 war ihr Kalender frei. In der Zwischenzeit hatte der Weltschachbund Probleme mit der Ausrichtung der Frauenweltmeisterschaft 2014, der Ausrichter stieg aus, eine neuer wurde zwar gefunden, jedoch nur für März 2015. Bei solchen Terminkollisionen schaut einer der Ausrichter zwingend in die Röhre, und wer könnte schon mit einer Weltmeisterschaft konkurrieren? Die Organisatoren in Hawaii sahen ihre Felle bereits davonschwimmen, doch sie wurden "aufs höchste angenehm überrascht", als Hou Yifan ihre Zusage bekräftigte. Eine sehr respektable Entscheidung, mit der die junge Chinesin weitere Sympathien gewann.

Natürlich wird damit gerechnet, dass Hou Yifan sich den Titel wieder zurückholen wird, dennoch wird sie jetzt - obwohl unbesiegt - eine Zeitlang in der zweiten Reihe stehen müssen. Und das "nur" wegen eines gegebenen Versprechens. Hut ab!

 

Zum Titelbild:

Mit ihrem Verzicht auf die Titelverteidigung - von ihrem Verband offenbar akzeptiert - überraschte die Chinesin Hou Yifan die Schachwelt.

Foto: Alina l'Ami

 

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