Schach Magazin
Test und Training ::

Verbessern Sie Ihre Spielstärke!


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

Meine Treffen mit Viktor Kortschnoi hinterließen bei mir einen bleibenden Eindruck. Ich erlebte seine Freundlichkeit und Brillanz am Brett, wurde aber auch schon mal zum Ziel seiner Launen und bissigen Bemerkungen. Dennoch habe ich ihn nicht nur bewundert, sondern auch gemocht. Er bewies in seinem Leben Mut und Zielstrebigkeit, sowohl am Brett, als auch außerhalb.

Welche seiner Partien sollte für diese Kolumne auswählt werden? Etwas Spektakuläres? Irgendeine strategische Meisterleistung? Oder vielleicht doch das brillant geführte Endspiel gegen Karpow aus dem WM-Match 1978, mit dem Kortschnoi den Rückstand aufholte und den 5:5-Zwischenstand erreichte? Dies bleibt meine Lieblingspartie von Kortschnoi, passt aber nicht zum Format dieser Rubrik. Schließlich habe ich eine Partie ausgesucht, in der er einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nachging, die Königsindische Verteidigung zu zerlegen, von der er nicht allzu viel hielt.

In einem seiner Bücher (My Best Games, Volume 1, Edition Olms) schrieb Kortschnoi sinngemäß: Warum wird Königsindisch so viel gespielt? Weil es einfach ist, sie den Lernenden zu erklären, etwa so: Ihre Figuren am Königsflügel stehen eng beieinander, also rücken Sie sie etwas nach vorn und rochieren dann. (Eine etwas saloppe Umschreibung für 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Le2 0-0) Dann machen Sie einige Bauernzüge im Zentrum (…d6, …e5), bekommen genau eine Stellung wie Fischer sie seinerzeit hatte, und Sie brauchen nichts und niemanden zu fürchten. Was aber die Trainer und ihre Schüler vergessen, dass Fischer - von seinen Kenntnissen in Königsindisch abgesehen - ein ganz tiefes Schachverständnis besaß. Und das ist eine seltene Gabe, die Gott nicht jedermann zukommen lässt.

Kortschnoi glaubte fest daran, dass es nicht gut sein kann dem Gegner in der Eröffnung Raum zu überlassen. Es ist eine Sache daran zu glauben und eine andere, spieltechnisch gesehen das Zeug zu haben, dies immer aufs Neue zu beweisen. Während seiner Karriere wechselte Kortschnoi seine Systeme gegen Königsindisch, lange Zeit pflegte er den Königsläufer nach g2 zu entwickeln, später gab er dem Klassischen System (mit Sf3 und Le2) den Vorzug, das er mit vielen neuen Ideen bereicherte und das auch in der nachstehend aufgeführten Partie aufs Brett kommt.

Es war ein Duell zwischen dem ältesten (Kortschnoi war damals 66) und dem jüngsten Teilnehmer (Peter Swidler, damals 21). Sie beide lagen nach sechs Runden mit 50 % der Punkte gleichauf, einen Punkt hinter dem Spitzenreiter. Mit seinem brillanten Sieg rückte Kortschnoi in der Tabelle nach vorn und konnte schließlich bei diesem bedeutenden Turnier zusammen mit Alexander Chalifman und Waleri Salow den geteilten ersten Platz belegen.

Königsindisch E 94
V. Kortschnoi (2635)
P. Swidler (2640)
St. Petersburg, 1997


1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 0-0 5. Le2 d6 6. Sf3 e5 7. 0-0 Sbd7 8. Le3 De7

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9. Dc2

Zwei Punkte. Ein Abtausch auf d4 gefolgt vom Schlagen auf e4 lag in der Luft. Nun ist dieser Bauer gedeckt und zugleich wurde die Verbindung der Türme hergestellt.

9. d5 (zwei Punkte) unterbindet die Drohung ebenfalls befriedigend. Wie die schwarze Expansion am Königsflügel im Zaum gehalten werden kann, demonstriert die Partie Topalov-Movsesian, Batumi 1999: 9. …c5 10. Lg5 h6 11. Ld2 Se8 12. g3 Sdf6 13. Sh4 Lh3 14. Te1 Kh7 15. Tb1 b6 16. a3 Ld7 17. b4 Dd8 18. Ld3 Sg8 19. Dc2 Tc8 20. bxc5 dxc5 21. f4, mit angenehmer Initiative für Weiß.

9. dxe5 (ein Punkt) wurde in einigen Partien gespielt, ich vermute, der Umstand, dass Weiß danach einige Kontrolle im Zentrum abgeben muss, war Kortschnoi ein Dorn im Auge: 9. …dxe5 10. Sd5 Dd8, und der Springer d5 wird mit einem Stupser des c-Bauern vertrieben - Schwarz steht befriedigend.

9. …Sg4 In der Begegnung Kortschnoi-Romanischin, Sarajevo 1984, folgte stattdessen 9. …c6 10. Tfe1 Sg4 11. Lg5 f6 12. Lh4 h5 13. Lg3 Df7 14. Tad1 Sh6 15. Lf1, und ein spannendes Kräftemessen löste sich in Remis auf.

Weiter geht's in der Ausgabe August 2016.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

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Großmeister Daniel King schreibt in jeder Ausgabe der monatlich erscheinenden Zeitschrift Schach-Magazin 64 eine neue Folge! Eine Leseprobe als PDF-Datei können Sie hier herunterladen: Katalanisch E 06, K. Sauravh (2324) – J. Gustafsson (2647),Pattaya 2011

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"Das gibt's doch nicht, wie konnte ich so was übersehen, das war doch ganz einfach", so oder ähnlich wird nach einem "Einsteller" lamentiert. So nennt man einen Zug, der eine womöglich gut angelegte oder noch gar nicht recht begonnene Partie schlagartig verdirbt.
 

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