Schach Magazin
Test und Training ::

Verbessern Sie Ihre Spielstärke!


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

Bei der russischen Frauenmeisterschaft erzielte Valentina Gunina 6 Punkte aus 11 Partien. Solche Meldungen drängen sich sonst nicht unbedingt für eine Veröffentlichung auf, beachtlich war dieses Ergebnis dennoch: sechs Siege bei fünf Niederlagen, kein Remis! Auch bei der Schacholympiade 2016 war auf Guninas Schachbrett immer viel los. Selbst ihre zwei Remispartien (bei sieben Siegen und einer Niederlage) waren spektakulär, eine davon wurde in der Novemberausgabe auf Seite 38 veröffentlicht.

Ein paar Tage später spielte sie bei der Moskauer Schnellschachmeisterschaft mit, erzielte 6 aus 9, wobei - Sie ahnen es schon - keine ihrer Partien remis endete. Sie kennt halt nur den Vorwärtsgang. Beispiele gefällig? So verlief die Anfangsphase zweier ihrer Partien in der erwähnten Frauenmeisterschaft: Gegen Bodnarjuk legte sie nach 1. d4 d6 2. c4 e5 3. e3 Sc6 4. Sc3 g6 5. d5 Sce7 mit 6. h4 los.

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Bald wurde es chaotisch, letztlich zog Gunina den Kürzeren. Was sie nicht daran hinderte, in der nächsten Partie wieder aufs Ganze zu gehen.

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Pustovoitova-Gunina
Schwarz am Zug


Nichts sprach gegen das naheliegende 14. …Ld7, aber Gunina konnte nicht widerstehen und feuerte 14. …Sf4 ab, mit einer unklaren Stellung nach 15. exf4 Dxf2+ 16. Kd1 Te8. Letztlich zahlte sich ihr Mut aus.

Auch in der Partie dieser Trainingsfolge, gespielt bei der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft 2015, kommt eine originelle Eröffnungsidee vor, gefolgt von einem verwegenen Angriff, der mit einigen präzisen Zügen zu einem erfolgreichen Ende geführt wurde. Viel Spaß beim Nachspielen.

Grünfeldindisch D 85
V. Gunina (2516) - P. Papp (2303)
Reykjavik 2015


1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 d5 4. cxd5 Sxd5 5. g3 Lg7 6. Lg2 Sxc3 7. bxc3 c5 8. e3 Da5 9. Ld2 0-0

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Zwei Punkte. Schon an diesem Zug erkennt man, dass Gunina kein typisches Gewächs der russischen Schachschule ist. Lässt solch ein Zug nicht auch Ihre Haare zu Berge stehen? Sind wir nicht alle mit dem Spruch "Springer am Rand bringt Kummer und Schand'", in der englischen Version "Knights on the rim are dim" oder in Niederländisch: "Paard aan de rand is schakers schand" aufgewachsen?

Die meisten Schachspieler hätten stattdessen sicher 10. Se2 (zwei Punkte) gespielt. Der Läufer wird nicht behindert und übt weiter Druck auf der Diagonalen aus. In der Begegnung Gharamian - Vachier-Lagrave, Nancy 2013, folgte 10. …Sc6 11. 0-0 Td8 12. Sc1 Dc7 13. Sb3 b6 14. dxc5 La6 15. cxb6 axb6 16. Te1 Tac8 17. Sd4 Sa5, und für das in Grünfeld typische Bauernopfer besaß Schwarz wie üblich Kompensation. Weiß hätte besser auf das Nehmen auf c5 verzichtet.

Einige wenige wählten 10. Sf3 (zwei Punkte), und auch wenn der Springer zunächst die Schräge des Läufers verstellt, macht der Zug keinen schlechten Eindruck.

Wenn Sie den einführenden Text aufmerksam gelesen haben, haben Sie sich hier womöglich für 10. h4 (zwei Punkte) entschieden. Und warum auch nicht? Schwarz sieht sich dem üblichen Dilemma in dieser Art von Stellungen gegenüber: Muss man den Vorstoß frühzeitig ausbremsen oder kann man ihn einfach ignorieren? Und wenn man ihn blockieren will, was ist besser 10. …h6 oder 10. …h5? Während der Partie kleine Konfusionskörnchen zu säen, das ist hohe Kunst im Schach. Schwarz sollte den Vorstoß meines Erachtens ignorieren und ihre Figuren weiter entwickeln.

10. …h6 führt nur zu einer Lockerung der Königsstellung, und 10. …h5 ließe zudem einen Springer nach g5.

10. …Sc6



Weiter geht's in der Ausgabe Januar 2017.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

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"Das gibt's doch nicht, wie konnte ich so was übersehen, das war doch ganz einfach", so oder ähnlich wird nach einem "Einsteller" lamentiert. So nennt man einen Zug, der eine womöglich gut angelegte oder noch gar nicht recht begonnene Partie schlagartig verdirbt.
 

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