Schach Magazin
Test und Training ::

Verbessern Sie Ihre Spielstärke!


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

In einem Bereich meines Power Play Chess YouTube Kanals (www.youtube.com/user/PowerPlayChess/about) ergab sich einmal eine lebhafte Diskussion, als die Zuschauer die Frage "warum sieht man bei Eliteturnieren nicht öfters Caro-Kann und Französisch?" aufwarfen. Zu diesem Zeitpunkt lief gerade das norwegische Superturnier, bei dem Li Chao gegen Grandelius Caro-Kann spielte und Harikrishna gleich zweimal (gegen Grandelius und Giri) nicht ohne Erfolg die Französische Verteidigung anwandte.

Dass die erwähnten Eröffnungen zur Zeit seltener zu sehen sind, hat auch damit zu tun, dass Eröffnungen bestimmten Mo-den unterworfen sind, hauptsächlich aber mit dem Thema Raum. Die Topspieler neigen dazu, ihren Gegnern keinen Zentimeter Boden zu überlassen, weswegen sie nach 1. e4 mit 1. e5 gleich den Fuß ins Zentrum stellen, oder - wenn ihnen der Sinn nach mehr Risiko steht - 1. …c5 spielen. Caro-Kann und Französisch sind keine schlechten Eröffnungen, aber angesichts der ausgereiften Technik bei den Spitzenspielern läuft man damit Gefahr, in Stellungen mit kleinem aber dauerhaftem Raumnachteil zu geraten und dann stundenlang vom Gegner geknetet zu werden. In dieser Eröffnung führt eine kleine Ungenauigkeit zu anhal-tender Passivität. Warum sollte man sich so etwas antun?

Ähnliches gilt für Königsindisch. Der Trend wurde seinerzeit von Kramnik gesetzt, der in einigen bekannten Partien Kasparows Königsindisch regelrecht zerstörte und später einige Königsindisch-Spezialisten wie Nakamura vorführte. Kein Wunder, dass Königsindisch bei Topspielern derzeit nicht sehr beliebt ist.

Zurück zum norwegischen Spitzenturnier. Wie kam Harikrishna dort mit Französisch zurecht? Er suchte sich ein scharfes System in der klassischen Variante aus, das er einfach besser als seine Gegner verstanden hatte. Dennoch kosten solche zweischneidigen Varianten bei der Vorbereitung viel Zeit und Energie, auch stellt sich die Frage, wie oft man sie bei Spitzenturnieren gefahrlos einsetzen kann.

Li Chao setzte auf Caro-Kann und erreichte eine Stellung mit Null Gegenspiel und konnte nur auf ein Remis hoffen, was er gegen Grandelius auch schaffte; gegen Carlsen hätte er diese Stellung kaum gerettet. Li Chao selbst äußert sich zu seinem eher wenig gelungenen Caro-Kann-Einsatz in seinem Interview in dieser Ausgabe auf Seiten 20-21.

Eine andere Caro-Kann-Pleite ereignete sich während dieser Artikel geschrieben wurde. Nigel Short gelang es, damit in nur 18 Zügen zu verlieren:

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Collins-Short, 4NCL 2016


16. Dxh5 h6 17. Sexf7 Txf7 18. Sxf7 – 1:0
Weiß nutzte seinen Raumvorteil, seine Figuren wurden früh aktiv. Schwarz hat eine taktische Wendung übersehen und es knallte sofort.

Bei Durchsicht von Partien aus der unlängst ausgetragenen Russischen Juniorenmeisterschaft fiel mir eine andere Caro-Kann-Katastrophe auf, die zum dem bereits Gesagten bestens passt. Auch hier unterlief Schwarz in einer bekannten Theorievariante ein Fehler, Weiß sicherte sich einen Raumvorteil und legte los.

Caro-Kann B 19
U. Jelisejew (2602) - D. Yuffa (2507)
RUS-ch Boys 2016 Loo (3)


1. e4 c6 2. d4 d5 3. Sd2 dxe4 4. Sxe4 Lf5 5. Sg3 Lg6 6. h4 h6 7. Sf3 Sd7 8. h5 Lh7 9. Ld3 Lxd3 10. Dxd3 e6 11. Ld2 Sgf6 12. 0-0-0 Le7 13. Kb1 Db6

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14. c4

Drei Punkte. Mit diesem Zug legt Weiß die Marschroute fest: Die zentralen Felder werden vom Anziehenden stärker kontrolliert, dafür öffnet er allerdings etwas seine Stellung am Königsflügel. Es gibt Alternativen:

Ein Standardzug in dieser Stellung ist 14. Se4 (drei Punkte), der auf g3 etwas abseits stehende Springer wird zurück in die Brettmitte geführt - gleichzeitig wird der g-Bauer mobil. Die Partie Hou-So, Dortmund 2015, zeigt eindrücklich, wie sich das weitere Spiel gestalten kann: 14. …Td8 15. c4 0-0 16. De2 c5 17. Lc3 cxd4 18. Lxd4 Dc6 19. Sxf6+ Lxf6 20. g4 Lxd4 21. Sxd4 Dc5 22. Sf3 Sf6 23. Se5 Es sieht so aus, als sei Weiß hier im Vorteil, die Partie endete jedoch remis.

Vor einigen Jahren gewann Karjakin eine tolle Partie mit 14. The1 (drei Punkte) 14. …0-0 15. Sf5 Lb4 16. Sxh6+ gxh6 17. c3 La3 18. Lc1 Tfe8 19. g4 usw. , Karjakin-Mamedyarov, Zug 2013. Ganz ordentliches Gegenspiel erhält Schwarz jedoch mit 15. …exf5 16. Txe7 Dd8 17. Da3 Se4 Kosteniuk-Gunina, Chita 2015.

14. De2 ein typisches Vorgehen in diesem System. Weiß entfernt die Dame von der halboffenen d-Linie und verstärkt die Kontrolle über das Feld e5. Angesichts der weißen Möglichkeiten in der Diagrammstellung muss man konstatieren, dies ist kein kritischer Moment in dieser Partie.

14. …0-0

Weiter geht's in der Ausgabe Juni 2016.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

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  Flüchtigkeitsfehler

"Das gibt's doch nicht, wie konnte ich so was übersehen, das war doch ganz einfach", so oder ähnlich wird nach einem "Einsteller" lamentiert. So nennt man einen Zug, der eine womöglich gut angelegte oder noch gar nicht recht begonnene Partie schlagartig verdirbt.
 

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