Schach Magazin
Test und Training ::

Über die Wirkung einer guten Eröffnungsvorbereitung


Stellen Sie sich vor, Sie sitzen während einer Partie neben einem Großmeister. Sie haben reichlich Zeit, sich über jeden anstehenden Zug Gedanken zu machen, bevor der Großmeister seinen ausführt. Dann können Sie Ihren Ideen und Gedankengänge mit seinen vergleichen. Zum Schluß können Sie in der Tabelle nachsehen, wie Sie abgeschnitten haben. Dieser Selbsttest wird Ihnen helfen, Ihre Spielstärke erheblich zu steigern. Oder Sie können auch einfach eine interessante - von einem bekannten Großmeister kommentierte – Partie genießen.

Beim Herumstöbern in online veröffentlichten Partien blieb ich bei der folgenden hängen. Es war ein Favoritensturz der ungewöhnlichen Art.

Der Weißspieler, Sergej Wolkow ist ein 44 Jahre alter russischer Großmeister mit einer langen Referenzliste. Er war russischer Landesmeister des Jahres 2000, qualifizierte sich dreimal (2000, 2002 und 2004) für die FIDE-Weltmeisterschaft nach K.-o.-System und einmal (2007) für den Weltcup. Seine aktuelle Elozahl beträgt 2612, sie lag aber auch schon einmal deutlich höher. Und dieser respektable Spieler verlor eine dramatische Partie gegen den 15-jährigen Iraner Arash Daghli, der eine weitaus bescheidenere Elozahl von nur 2328 vorweisen kann. Meist sind für solche Favoritenstürze Missgriffe in Zeitnot ursächlich, hier war das nicht der Fall. Es hatte mit der Eröffnung zu tun, in der das junge Talent den Großmeister förmlich überrannte.

Die königsindische Verteidigung steht bei den Spitzenprofis nicht hoch im Kurs, eine oder mehrere Etagen darunter ist sie unverändert beliebt. In den für den Königsinder typischen dynamischen Stellungen kommen unerwartete Bauerndurchbrüche oder Materialopfer oft vor, nach denen sich die der Stellung innenwohnende Energie explosionsartig entlädt. So scheint mir die vorliegende Partie für diese Trainingsfolge ideal.

[…]

Beim Nachspielen können Sie einerseits Ihre Fähigkeiten in Variantenberechnung testen bzw. üben, andererseits auch eini-ges über die Eröffnung erfahren. Der momentane Wissensstand wird in der Anfangsphase der Kommentierung kurz skizziert.

Königsindisch E 92
S. Wolkow (2612) - A. Daghli (2328)
16th Khazar Cup, Anzali, 2018


1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Le2 0-0 6. Sf3 e5 7. Le3 Das Gligoric-System im klassischen Königsinder. Die Idee des Textzuges geht auf, wenn Schwarz wie in der Hauptvariante nach 7. 0-0 mit 7. …Sc6 fortsetzt. Weiß erhält dann eine sehr günstige Version: 7. Le3 Sc6 8. d5 Se7 9. Sd2. Der Läufer steht bereit, um den Vorstoß c5 zu unterstützen und noch hat Weiß nicht offengelegt, wohin sein König rochieren wird. Schwarz hat aber Besseres als 7. …Sc6. Am häufigsten wird 7. …Sg4 gespielt, und ich ahne, dass eingefleischte Königsindisch-Fans selbst auf Teufel komm raus auf Königsangriff setzen werden. Momentan verläuft die Hauptvariante wie folgt: 8. Lg5 f6 9. Lh4 g5 10. Lg3 Sh6. Etwas ältere Semester erinnern sich sicher noch an das WM-Duell Karpow-Kasparow von 1990, wo diese Variante einige Male aufs Brett kam. Kasparow versuchte 7. …Sa6, 7. …c6 und den Zug, den auch Daghli wählte: 7. …exd4 8. Sxd4 Te8 9. f3 c6 10. Lf2 Einst als Feinheit apostrophiert gehört dieser Zug heute zum Standardvorgehen. Schwarz möchte mit …d5 durchbrechen, und der Läufer geht vorsorglich Ärger aus dem Weg. In einer ihrer Partien, Karpow-Kasparow, Lyon/New York 1990, folgte 10. Dd2 d5 11. exd5 cxd5 12. 0-0 Sc6 13. c5 Txe3 14. Dxe3 f8, und Kasparow hatte genügend Gegenspiel erreicht: remis/24. 10. …d5 11. exd5 cxd5 12. 0-0 Sc6 13. c5 Jetzt sind Sie am Zug.

Test & Training

13. …Sh5

Drei Punkte. Die häufigste Reaktion an dieser Stelle. Die exponierte Lage des Springers befreit den Läufer auf g7, und vielleicht gelingt es Schwarz, ihn nach f4 zu bringen. Wichtige Alternativen sind:
–> 13. …Lf8 (drei Punkte) wurde von Radjabov, Grischuk und Nakamura gespielt, Grund genug, sich den Zug etwas näher anzusehen. In der Begegnung Inarkiev-Radjabov, Monzon 2016, geschah 14. Kh1 Ld7 15. Dd2 Tc8 16. Sb3 d4 17. Sxd4 Lxc5 18. Sxc6 Txc6 19. Lxc5 Txc5 mit ausgeglichenem Spiel.
–> 13. …Te5 (drei Punkte), mit einer raschen Mobilisierung der Kräfte, ist am schneidigsten: 14. a3 Df8 15. b4 Ld7 16. Sxc6 bxc6 17. Ld4 Te6 18. Ld3 Sh5 19. Lc2 Tae8, und die Initiative lag bei Schwarz, Carlsen-Grischuk, Moskau 2012, wenn auch der Weltmeister diese Blitzpartie schlussendlich gewann.

14. Dd2

Weiter geht's in der Ausgabe Juli 2018.

Fragen und Anregungen richten Sie bitte direkt an den Autor: www.danielking.biz

Leseprobe:

Großmeister Daniel King schreibt in jeder Ausgabe der monatlich erscheinenden Zeitschrift Schach-Magazin 64 eine neue Folge! Eine Leseprobe als PDF-Datei können Sie hier herunterladen: Katalanisch E 06, K. Sauravh (2324) – J. Gustafsson (2647),Pattaya 2011

Sie können jeden Monat eine neue Folge frei Haus bekommen! Tun Sie sich etwas Gutes und bestellen Sie das Abo oder das supergünstige Probeabo (nur 9,90 Euro für 3 Hefte) der beliebten Zeitschrift Schach-Magazin 64 beim Verlag Carl Ed. Schünemann:

- per E-Mail: kontakt@schach-magazin.de
- per Post: Schünemann-Haus, 28174 Bremen

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Unbändiger Vorwärtsdrang

Obwohl er schon ein gestandener Mann von 68 Jahren war, freute er sich wie ein Kind. Endlich sollte in seiner Heimatstadt Minsk ein Spitzenturnier ausgetragen werden, die Europameisterschaft nämlich, und sie sollte sein schachliches Schwanenlied werden.
 

Designelement  :: Aktuelles Designelement
  Aktuelles Heft
Aktuelles Heft
Im Heft blättern
 

Designelement  :: Jahrgangsschuber Designelement
  Jahrgangsschuber
Aktuelles Heft
Der Preis pro Stück für 12 Ausgaben – inklusive Porto und Schutz-Verpackung beträgt € 14,90
Bestellungen bitte unter
Tel.: (0421) 36 90 325