Schach Magazin
Ausgabe 12 mit diesen zentralen Themen ::

Im Vierjahresrhythmus: Aserbaidschan wird erneut Europameister!






Das aserbaidschanische Team mit der Nationalflagge bei der Siegerehrung. Von links Rauf Mamedov, Shahkryiar Mamedyarov, Kapitän Eltaj Safarli und Gadir Guseinov. Auf dem Bild fehlen Teimour Radjabov und Arkadi Naiditsch.

Foto: FIDE / etcc2017



Das größte Lob kam aus dem Lager der Konkurrenten. Alexej Drejew, anno 1992 mit Russlands Team Europameister, bescheinigte dem aserbaidschanischen Team "fantastische Willensstärke. Nach dem verpatzten Start so nach vorn zu preschen, Russland zu besiegen und dazu noch auf diese Weise zu besiegen … Ein heroisches Team!"

Ein großes Wort, aber in der Tat war die errungene Meisterschaft nicht nur auf rein schachliches Können der Kaukasier zurückzuführen, da spielten auch psychologische Faktoren eine große Rolle. Wir schildern gleich diesen aufregenden Ritt zum Gipfel, zuvor aber werden zwecks Orientierung einige Daten und Fakten aufgelistet.

Hier wird über die Europäische Mannschaftsmeisterschaft (EMM) berichtet, deren neueste Auflage in der Zeit vom 28. Oktober bis zum 6. November im Urlaubsgebiet Hersonissos auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta ausgetragen wurde. Diese Meisterschaft wird oft als kleine Schacholympiade bezeichnet, denn die Regeln sind weitgehend identisch. Es spielen Vierermannschaften mit einem Ersatzspieler/in, und es werden zwei getrennte Turniere ausgetragen, eines nur für Frauenteams (vgl. Spezialbericht ab Seite 11) und eine sogenannte offene Klasse, was nicht explizit "nur für Männer" heißt, aber der Wirklichkeit nahekommt.

[…]

In diesem Match endeten drei Partien remis und der favorisierte frühere Europameister Jan Nepomniachtchi zog gegen den nominell nicht ganz so starken Viktor Erdös den Kürzeren. Der Ungar hatte die Partie psychologisch geschickt angelegt. Wohl wissend, dass der Russe ein brillanter Taktiker ist, zog er ihm mit dem passiv aussehenden sechsten Zug den berühmten Giftzahn. In seinem Bestreben, die Stellung zu öffnen, schwächte Nepomniachtchi seine Stellung. Zum Angriff kam er nicht mehr, er blieb stattdessen auf seinen Felderschwächen sitzen.

Englisch A 34
V. Erdös (HUN, 2624)
I. Nepomniachtchi (RUS, 2733)


1. Sf3 c5 2. c4 Sf6 3. Sc3 d5 4. cxd5 Sxd5 5. e3 Sxc3 6. dxc3 Dxd1+ 7. Kxd1



Eine solche Stellung, so wie sie Weiß aufgebaut hat, kann man leicht unterschätzen, weil der Läufer c1 momentan sozusagen kein Licht sieht. Aber sobald e3-e4 erfolgt, wird für den Damenläufer sofort die Sonne aufgehen. Dies kostet natürlich ein Tempo, aber das ist nicht weiter schlimm, es handelt sich ja um eine noch sehr geschlossene Stellung. Ein guter Stratege erfreut sich eher beim Anblick des schwarzen Damenflügels, denn er sieht auf c4 und b5 Landungspunkte für weiße Figuren. In der Partie wird dieser Sachverhalt in den Zügen 13 und 14 deutlich.

Für Schwarz empfiehlt sich ein Aufbau, der schon vor Jahrzehnten von dem früheren Weltmeister Michail Tal angewandt wurde: 7. …Sc6 8. e4 Ld7 9. Le3 e6 10. Kc2 Le7 11. Td1 0-0-0. Nepomniachtchi spielte 7. …b6 8. Lb5+ Ld7 9. a4 und hätte nun ebenfalls mit …Sc6 fortfahren sollen.

Weiter geht es im Dezemberheft.



Auszug aus
"Im Vierjahresrhythmus: Aserbaidschan wird erneut Europameister! | Dritter Titel nach 2009 und 2013 | Russische Favoriten knapp geschlagen"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Dezember 2017

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Unbändiger Vorwärtsdrang

Obwohl er schon ein gestandener Mann von 68 Jahren war, freute er sich wie ein Kind. Endlich sollte in seiner Heimatstadt Minsk ein Spitzenturnier ausgetragen werden, die Europameisterschaft nämlich, und sie sollte sein schachliches Schwanenlied werden.
 

Designelement  :: Aktuelles Designelement
  Aktuelles Heft
Aktuelles Heft
Im Heft blättern
 

Designelement  :: Jahrgangsschuber Designelement
  Jahrgangsschuber
Aktuelles Heft
Der Preis pro Stück für 12 Ausgaben – inklusive Porto und Schutz-Verpackung beträgt € 14,90
Bestellungen bitte unter
Tel.: (0421) 36 90 325